Donnerstag, 5. Oktober 2017

So hoch

Irgendwann werde ich das alles überwunden haben, dachte er. Dann werde ich mich wieder erheben von der Erde und fliegen, wie in Kindertagen.
 In den Kindertagen war es so: wenn er sich abends ins Bett legte, in dem kleinen hübschen Kinderzimmer, das ganz oben und am Ende des Flurs lag, von Dachschrägen eingekeilt (arbeitendes, knarzendes Gebälk), dann stellte er sich vor, wie es ihn aus der Decke hob und er durch das Fenster ins Freie schwebte, alles unter sich sah, und dann über die Straßen, Gärten und Dächer hinweg davonflog, ohne Flügelschlag, getragen wie eine Wolke, leichter als alles auf der Welt. Er stellte es sich nur vor und es war so; die Fantasie regierte die Sinne und es spielte im kindlichen Gemüt keine Rolle, ob man von einer unsichtbaren Macht bewegt wurde und ausgeliefert war, oder noch selbst die Beherrschung hatte. Man lieferte sich gerne aus.
 Irgendwann würde das nachlassen und er würde nicht mehr fliegen, sondern meistens fallen. Höhe würde beunruhigen und verunsichern, Angst langsam an den Beinen zum Bauch und zum Rumpf hochkriechen, die den Körper ständig für den bevorstehenden Fall zusammenzog und lähmte. Die Fantasie würde immer seltener ein ersehnter Begleiter in den Schlaf sein, eine Befreiung des Geistes, als eher eine Versammlung verworrener Bilder in der Nacht, Unterbewusstsein. Und er würde denken, welch eine dumme Psychologie es sei, dass man träumte zu fallen, wo man als Kind unbeschwert geflogen ist; eine Seele wie aus einem Bilderbuch oder einem schlechten Roman. Aber was sollte er machen, er hatte Höhenangst. Und in seinen Träumen waren es keine Höhen, die man von Balkonen im zweiten oder dritten Stock herunterblickte, sondern Höhen von Wolken, ebenso faszinierend wie unmenschlich, und Abgründe, die man lange fiel, so hoch.
 Und vielleicht war es ja so simpel mit der Psyche. Du kommst zur Welt und bist frei von allem, natürlich, denn es ist ja noch nichts geschehen. Dann nimmt die Schwermut dich ein, hängt sich wie ein Gewicht an dich und zieht dich hinab. Oder was ist es? Was ist passiert? Er wollte glauben, die Welt, die Menschen hätten ihm das zugefügt: Ich war nur Geist. Dann kommen sie und sagen mir, was ich bin, was ich nicht bin, was ich zu sein habe und was nicht. Sie bauen mein Skelett, sie ziehen Nerven, Gefäße, Fleisch und Haut über meine Knochen, strecken und drücken mich, je nachdem, wie groß oder klein ich werden soll. Sie sagen mir, wie ich aussehe, wie ich mich kleide, wie ich spreche, wie ich wirke, wem ich ähnlich bin und wie sehr, was man daraus schlussfolgern kann, was ich einmal sein werde, und so weiter und so fort. Sie sagen mir sogar, was ich gemeint habe, wenn ich etwas rede, als würde ich undeutlich sprechen. So erschaffen sie mich. Und wenn auch an ihrem guten Willen, an ihren besten Absichten kein Zweifel besteht (oder?), so muss ich doch meinen Geist retten! Denn glaubt man dieses oberflächliche Zeug und nimmt es sich zu Herzen, dann härtet sich auch das zur Materie, was uns eingehaucht wurde, um über sie erhaben zu sein; und dann fällt man wie ein Stein.
 Erhabenheit aber, das wird er wohl einmal lernen, errettet ihn aus diesen Stricken, aus all dem, worin man ihn verflechten will, wo und wie man ihn haben will. Und sie hilft, sich aus dieser Kreatur herauszuschälen, den alten Menschen abzusterben, aus Fleisch und Blut herauszusteigen, und alldas Bewegungen und Bindungen der Natur sein zu lassen und zu akzeptieren, mit ungetrübten, klaren Augen.
 Erhabenheit, aber aus Liebe. Liebe aber ist aus Erkenntnis, Erkenntnis aber ist aus dem Geist, der Geist aber ist aus Gott. Gott aber ist die Liebe.

Lass, ich wünsche es dir, all das los, was du anderen nachtragen willst.
Lass niemanden mehr daran schuld sein, was du an dich hast herantragen lassen.
Jeden Tag kannst du sterben, deinen Einbildungen, diesen Trugschlüssen und Abziehbildern absterben, aus dem Grabe auferstehen und zurücklassen, was das alles auch immer gewesen sein mag.

Und da ist keine Höhe so hoch ... Er wird dich erheben von der Erde und dich tragen, wie in Kindertagen. 

Montag, 14. August 2017

Toro

Sie werden Dich töten, das ist klar. Doch es liegt in Deiner Natur zu fechten, Du kannst gar nicht anders. Und wenn sie dann noch ihre Tücher vor Dir schwenken und Dir den Staub der Arena zuwedeln, wird Dein Blut heiß und Du rast.
 So berechenbar bist Du, so mächtig und so berechenbar, folgst wie ein treuer Hund. Und so unberechenbar sind Deine Gegner, diese schlanken Tänzer in ihren prächtigen Kleidern, die das Publikum anbetet und die sich ja sogar selbst Mörder nennen, aber Du verstehst ja nichts. Du gehorchst Deiner Natur und somit gehorchst Du ihnen; was Du bist verwenden sie gegen Dich.
 Würde einer von ihnen wirklich Kreatur gegen Kreatur antreten, mit dem, was die Schöpfung euch gegeben hat, Du würdest ihn zerschmettern, ihn zerstoßen mit Deinem Haupt. Das mag Dein ganzer Stolz sein, bis zum bitteren Ende, ich bilde es mir gerne ein. Deswegen foltern sie Dich ja mit ihren Messern und Spießen, um Dich zu erschöpfen, weil sie sonst unter Deiner Gewalt zerbersten würden. Deswegen brauchen sie ja die jahrelange Ausbildung, üben sich erst an Deinen Kindern, weil ihnen die Tatsachen sonst die Knochen brechen würden.
 Manch einem Deiner Brüder ist es ja gelungen: in einem Moment der Unaufmerksamkeit haben sie das Gesetz der Natur durchgesetzt und den Mörder getroffen, ihm vor Augen geführt, was er ist, was er wäre, wenn es gerecht zuginge.
 Doch mache Dir nichts draus! Sie werden den Matador, den Geschlagenen, bejubeln und feiern wie einen Helden, wie einen Märtyrer, wenn Du ihn tötest. Er wird seine hässlichen Narben zeigen, wenn er nackt in der spanischen Sonne liegt, unbelehrt, und sich für einen Ritter halten, der mit dem großen Drachen, mit dem Satan gekämpft hat. Und niemandem wird es in den Sinn kommen, wer der Satan ist.
 Dich werden sie töten, das ist klar, so oder so. Am besten, Du stündest nur da, ganz still, in Deiner edlen Schönheit, und würdest ihnen die Show stehlen, wegen der sie gekommen sind, aber das kannst Du nicht, Du verstehst ja nichts.
 Du wirst nicht aufhören. Sie werden nicht aufhören. Es bleibt nur, dass, unsichtbar und doch vor aller Augen, vor der geilen Menge, vor den Toreros, in Hitze, Staub und Blut, das Recht auf Deiner Seite ist und Du von Anfang an Deinen traurigen Sieg errungen hast. 

Sonntag, 30. Juli 2017

Regen

Seit Tagen schüttete sich der Himmel aus. Die Ampel, an der er wartete, war ein verquollener roter Fleck hinter einer Wasserwand, die, von den Scheibenwischern zur Seite geschoben, direkt wieder nachgoss. Innen beschlug es ständig, es war wie in einem Gewächshaus, und er nickte nur stirnrunzelnd, wenn manche der Patienten, zu denen er fuhr, ihm sagten, dass ihnen kühl sei, während ihm der Schweiß im Kragen staute und ihm die Lippen salzte.
 Es dauerte und er geriet in Träumereien, stellte dann den Motor ab, löste den Gurt, stieg aus, schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken, breitete die Arme und ließ den Regen auf sich niedergehen. Nahezu unmittelbar war er vollkommen durchnässt. Und in Sekunden der Besinnung fragte er sich, was er da eigentlich mache, wissend, dass es bereits zu spät war, denn so eine Pose musste man halten und konnte sie nicht abbrechen. Die hübsche Frau im Wagen hinter ihm, die er im Rückspiegel zwischen den Wasserschwällen gesehen hatte, wird wohl denken, dass er sie nicht mehr alle habe, aber das war nun auch egal; die Unbeschwertheit folgte der Haltung nach und bald vergaß er alles, als würde es vom Regen weggespült.
 Dann hörte er eine Tür sich öffnen und zuschlagen, und sie würde ihn gleich fragen, ob er nun fertig sei mit seinem Was-auch-immer und endlich weiterfahre, oder dergleichen. Doch sie sagte nichts, sondern er vernahm nur plätschernde Schritte neben sich und fühlte, nur einen Hauch, eine Hand die seine streifen und bleiben, Millimeter neben seiner. Sie stand da auch so.
 "Das habe ich als Kind gemacht", sagte er, "In der Schule standen wir im überdachten Gang zur Aula und haben gewartet, dass die Lehrerin aufschließt. Es hat geschüttet und ich bin auf den Schulhof gerannt und habe die Arme ausgebreitet und mich vollregnen lassen ... und manche haben es nachgemacht und die Lehrerin hat gerufen, wir sollten zurückkommen; nasse Kleidung, Erkältung, blabla, und so weiter. Und wir haben da gestanden, alles ignoriert und es genossen ... Warum macht man das später nicht mehr?"
 Sie sagte nichts.
 Sie wird nichts sagen, dachte er.
 Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der verquollene rote Fleck wurde gelb, dann grün. Und er fuhr weiter.

Freitag, 14. Juli 2017

Ähren

Worüber wehklagen? Worüber ängstlich und sorgenvoll werden?
 Eines Tages werden wir das alles zu Staub zerfallen sehen und vom Wind davongeweht, wie in Frühlingsstürmen, die die Ähren auf den Feldern durchpusten.
 Und dann werden jene, die Frieden, Liebe und Gerechtigkeit ersehnt haben es im Überfluss bekommen: Frieden, Liebe und Gerechtigkeit.
 Und jene, die es nicht wollten, sondern Unfrieden, Hass und Unrecht, sind vergangen. Irgendwann einmal muss man die Verantwortung tragen. Es ist ja nicht so, dass das nicht zuhauf gelehrt und geschrieben worden wäre, nicht wahr?!

Soll man also stumm ertragen und nicht gegen das Böse aufstehen?
 Wie sagte Paulus immer: "Das sei ferne!" - Immer sollen wir aufstehen!
 Zum Beispiel: allen Menschen mit Liebe, Friedfertigkeit und Sanftmut begegnen, soweit es an uns liegt. Das ist der Kampf gegen das Böse.
 Das klingt naiv und dumm. Nein. Naiv und dumm ist es, zu glauben, man könne Hass mit Hass und Gewalt mit Gewalt überwinden; als würde man seine Wohnung mit Dreck putzen.
 Naiv und dumm ist es, zu glauben, man könne die Welt noch irgendwie zur Einheit hinschlachten und einen Weltfrieden zurechtbomben. Von unserer Heuchelei ganz zu schweigen, eine Gerechtigkeit einzufordern, die wir in uns selbst nicht wahrmachen.
 Das Problem ist das Herz des Menschen, von Anfang an. Und nach dem Herzen werden wir einmal beurteilt werden, nicht nach dem Werk. Ein Werk wird nur durch die Gesinnung gut.
 Dem Hilfsbedürftigen mag das Herz egal sein, wenn ihm geholfen wird; das spielt keine Rolle, das Herz wird angeschaut werden. Und wo immer wir sind und was wir tun, ob an einem Podium, an einem Altar, in einer der unzähligen Talkshows, auf großen Konferenzen, im Supermarkt, im Auto, im Haus oder am Stammtisch, und wir reden von Recht und Unrecht, von Frieden und Gerechtigkeit und alledem, es wird das Herz angeschaut und durchforscht vom Geist, ob es Liebe war.
Und die Liebe, das muss klar sein, lässt sich nicht durch gute Absicht, Höflichkeit oder Enthaltung und Neutralität ersetzen, wie manche glauben.

Irgendwann einmal muss man die Verantwortung tragen. Dann ist unser Geschwätz, unsere Selbstgerechtigkeit, unser Undank diesem schönen Leben gegenüber, unsere Folter und Selbstzerstörung, unsere Überheblichkeit und unser Narzissmus, unser Zorn und unsere Bosheit, das alles ist dann vorbei.

Darüber kann man wehklagen: über den Menschen.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Hymne

Du bist unergründlich. Ein ewiger, unauslotbarer Geist, der alles lenkt und leitet. Da ist keiner, der dich erfassen kann, und in deine Tiefen steigen. Sondern du blickst in alle Tiefen und Abgründe, wie es heißt: Finsternis lag auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.
 Wie habe ich dich gesucht! Seit ich denken kann, habe ich nur dich gesucht, mein Herr. Als habe ein Engel an meiner Wiege gestanden und mir Sehnsucht in das Herz geschrieben. Seither ist dein guter Geist bei mir und du hast mich nie verlassen, niemals hast du mich verlassen. Ob ich dich ignorierte, dich verleugnete, mit dir stritt oder kämpfte, du hast mich niemals in Unklarheit oder Zorn schlafengehen lassen, sondern in der Dunkelheit die Einsicht in meinem Herzen entzündet wie eine Kerze, oder meine Untreue zu einem schmerzenden Feuer, wie es heißt: Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich`s nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen; und: ein zerschlagener und gedemütigter Geist ist ein Opfer, das Gott gefällt.
 Lass mich lernen, was ich anderen vorbete, damit es nicht leere Worte sind: Alles, was du willst, mein Herr, ist gut und recht, und deine Geheimnisse sind heilig und gehören dir allein; da ist nur Glaube und Vertrauen.

Du bist mein Ein und Alles.

Dienstag, 2. Mai 2017

Das Lob der Frau, oder: wie man atmet

Meiner Liebsten.

Schatz, weißt Du, wie wir Menschen atmen?
 Es ist so, dass die Muskulatur des Rumpfes die Lungenflügel weitet und diese sich mit Luft füllen, sehr verkürzt erklärt, ähnlich einem Blasebalg. Wenn Du mal Ruhe hast und ganz ruhig atmest und darauf achtest, kannst Du es spüren, wie zuerst die Rippen sich heben, dann die Luft durch Nase oder Mund hineingesogen wird; und umgekehrt, wie beim Ausatmen zuerst die verbliebene Luft aus dem Atemkanal geht und der Rumpf sich dann langsam zusammenkauert und den Rest herausschiebt. Doch bleiben wir beim Einatmen; man nennt es "Inspiration" in der Physiologie, und vielleicht behälst Du dieses Bild im Hinterkopf.

König Salomo schrieb: Eshet chayil mi yimtzah; das heißt: Wer eine tüchtige Frau findet;
 und weiter: die ist vielfach edler als die schönsten Perlen. Das Herz des Mannes hängt an ihr und ihm mangelt es nicht an Nahrung. Sie tut ihm Liebes und kein Leid ihr Leben lang. (Spr 31,10-12)
 Manche zucken nun schon zusammen bei dem alten Rollenbild, das hier durchschimmert und um das man ja weiß; wie auch immer ... Lesen wir im Ersten Buch Mose die Anfänge, so finden wir zwei Verhältnisse des Menschen erzählt: ein natürliches Verhältnis, von Gott geschaffen, und ein gestörtes Verhältnis aus dem Sündenfall, die Trennung von Gott. Und Mose erzählt es so:
 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe schaffen, ein Gegenüber (Gen 2,18) Und er ging hin und machte die Tiere der Erde und des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, damit er sie anspräche und ihnen Namen gäbe und schaue, ob unter den Tieren ein passendes Gegenüber sei; doch da war keines. Und so, heißt es, ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Wir könnten hier auch "Flanke" sagen, aber mit Luthers Übersetzung ("Rippe") hatte es sich eben so durchgesetzt in fast allen Übersetzungen und Auslegungen, und ist manchen heute ein Symbol für ein krankes Frauenbild, das die verirrte Kirche ja lange vor Luther schon hatte und es gehegt und gepflegt hat, wie ein liebes Kind.
 Was die Erzählung sagt ist, dass Gott vom geschaffenen Menschen nimmt, aus der Flanke, und einen Stützpfeiler bildet; wie es dort heißt: Und Gott der HERR bildete eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Es war als Einheit gedacht: Gott schuf nicht einen Menschen und noch einen Menschen und brachte sie zusammen, sondern er schuf aus dem Menschen sein Gegenüber. So heißt es: Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.
 Die Frau vom Manne, alles Leben aber aus der Frau: Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. (Gen 3,20)
 Magst Du nun das Bild nehmen, dass ich Dir zeichnen wollte, dann ist es so: die Flanken, die Stützpfeiler (wie Du willst), tragen das Gebilde; der Thorax, die Muskulatur, hält den Menschen aufrecht, sonst würde er zusammenferchen und einknicken, könnte nicht einatmen, nicht ausatmen, hätte keine Inspiration, keine Ruhe, und würde verkümmern; da wäre keine Liebe, keine gute Hand, kein Trost, keine Sinnlichkeit, keine Leidenschaft, keine Erkenntnis, was es bedeutet, jemanden mehr zu lieben als sich selbst. Alldas wurde uns dort ins Herz gegeben, will die Bibel sagen, und nahezu alle Menschen sehnen sich danach, wie nach der Harmonie und dem Paradies (Gen 3,23.24)
 Doch es kam, was wir Sündenfall nennen. Die Schlange, der Teufel, verleitete die Menschen zum Ungehorsam gegen Gott, denn Gott hatte gesagt, sie sollten nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen; ich will nicht alles ausbreiten, Du kennst die Geschichte ja. Warum aber geht die Schlange zuerst zu der Frau? Weil der Mann auf seine Frau hört, ganz einfach, weil sein Herz an ihr hängt, wie geschrieben ist: Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. (Hld 6,6)
 So wurden sie aber einander entfremdet, wie sie Gott nun entfremdet waren, erkannten, dass sie nackt waren, bloßgestellt vor Gott und voreinander, schämten sich und verhüllten sich mit Feigenblättern, und alle Harmonie war gestört und ist gestört bis heute. Das sagt Gott mit dem Fluch: die Schlange wird in den Staub verstoßen, der Satan regiert die Welt und treibt sein Unwesen, die Frau muss unter Schmerzen Leben hervorbringen, der Mann wird als Herr über sie gestellt und muss harte Arbeit tun für das tägliche Leben, und letztlich muss man hier sterben (Gen 3,14-19); den Garten, den Ort bei Gott, mussten sie verlassen.
Dies nun ist das gestörte Verhältnis, wenn wir bei dem Mann und seiner Frau bleiben: er soll ihr Herr sein, sie verlangt nach ihm, und alles, was da kam, Erniedrigung, Gewalt, Unterdrückung, Schändung, Verstümmelung, und all diese Übel bis heute, sind ein Fluch und die Abkehr des Menschen von Gott.

Was machen wir nun, meine Liebste? Nun, wir nehmen es wahr und können sehen, so wie immer, dass uns alles in der Schrift erzählt und gesagt ist, und brauchen mit diesem Fluch nichts weiter zutun zu haben, bis auf Weniges, das wir noch aushalten müssen. Die Arbeit kennen wir, die Schmerzen kennst Du, unter denen Du so tapfer unseren lieben Sohn geboren hast; die Schlange kennen wir auch, in unseren Herzen und in dieser Welt; sterben müssen wir wohl und wieder zu Erde werden.
 Die Trennung von Gott aber, das ist nicht mehr unsere Sache, dank seiner Liebe und Gnade, seinem geliebten Sohn, das ist Jesus, unser Herr. Wenn es Dir aber doch mal so scheint, als wäre er weit entfernt, als höre er Dich nicht oder spreche nicht zu Dir: habe Geduld. Es ist so seine Art, dass er manchmal schweigt und sich zurückhält, um unseren Glauben und unser Vertrauen zu stärken. Du weißt aber, dass er immer da ist, immer, und er hört alles, ob Du`s aussprichst oder es Dir nur durchs Herz geht; denk daran.
 Und ich weiß, dass Du gut darin bist, Geduld zu üben und nicht aufzugeben, denn Du hast soviel Geduld mit mir gehabt und hast sie noch, obwohl es nicht leicht ist mit mir; und hast soviel Liebe und Sanftmut und Treue, und ich habe noch nicht begriffen, womit ich es verdient habe. Du bist eines seiner unergründlichen Geheimnisse, inspirierst mich und raubst mir den Atem, beruhigst mich und machst mich aufrichtig. Und ich mag mal die Nerven verlieren, aber niemals die Faszination.
 Was soll ich Dir sagen? Ich liebe Dich und will immer bei Dir sein. Und all meine Gedanken, meine Sorgen, meine Gebete sind zuerst bei Dir und unserem Lieben, bevor sie irgendwohin schweifen. Und was auch immer ist, was Du mir erzählen willst, was Du in meine Schulter weinen musst, ich will mich an mein Versprechen erinnern, wenn ich nachlässig werde; das ist: ich gehe einen Pfad mit Dir, auf leichten und harten Wegen, durch wunderschönen Sonnenschein und tiefe Finsternis, durch alles, was da kommt, und weiche nicht von Deiner Seite und helfe Dir mit allem, was ich bin und habe. Erinnere mich daran!

Das gestörte Verhältnis aber, die Herrschaft und die Unterordnung, wird nur durch Erkenntnis und Liebe bezwungen, wie alles nur durch Erkenntnis und Liebe bezwungen wird; wie es heißt: Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal 3,26-28)
 Lass uns dies lernen, immer mehr, denn darum geht es.

"Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein". Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann. (Eph 5,31-33)

Es ist mir eine Ehre. 

Donnerstag, 20. April 2017

Sommergewitter

Wolken zogen auf. Der Sommerhimmel und sein später Nachmittag wurden nach und nach von trägen Massen bedeckt, deren Rücken noch das Sonnenlicht erhellte, deren Bäuche aber schon schwarz waren; und der Wind ging, pustete durch die Bäume, dass Zweige, Blätter und Staub wie Kometenschweife von ihnen wehten, dann in kleinen Wirbeln tanzten und sich irgendwo verloren. Manches ging mit einem Prasseln nieder und wurde über den Asphalt geschliffen, aber man konnte mit Augen und Ohren nicht mehr ausmachen, ob es Blätter und Zweige waren oder schon der Regen. Denn das vermischte sich und wie alles andere, nahm er auch dies nicht zusammenhängend wahr, sondern eher wie einen Wechsel von Erscheinungen, der Wandel aus Licht und Schatten, Strahlen und Finsternis; weniger mit den Sinnen, als eher sinnlich.
 Er stand auf dem Balkon, ein Junge, und während sein Blick noch wie betäubt den tanzenden Blättern folgte, sammelten sich dicke dunkle Flecken auf der Straße und den Bürgersteigen wie Tintenkleckse, und machten aus dem Prasseln nun endlich doch Regen. Eine angenehme Gänsehaut trennte sein vom Sommer aufgeheiztes Inneres fein und säuberlich von der Außenwelt und bewirkte diesen seltenen Moment, wo man ganz in seinen Empfindungen zuhause ist und die Gedanken kurz schweigen.
 Nur kurz. Denn seltsam, dachte er dann, die Straße, die Bäume und Fassaden der Häuser, alles, was seinen Platz auf dem Erdboden hatte, war erleuchtet wie vom Sonnenschein, der Himmel aber war tiefschwarz, so schwarz, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte, glaubte er. Und ein erhabenes Gefühl stieg in ihm auf. Das Gefühl auf dem Gipfel eines Berges, an der Küste und unten nur das weite Meer, oder unter einem endlosen Sternenhimmel; oder bei einem Gewitter.
 Der Wind ging stärker, schaukelte ein verlassenes Vogelnest in der Krone eines Ahorns, und spielte auf den Dachziegeln und in den Regenrinnen gespenstische Geräusche. Irgendwo aus diesem schwarzen Gewölbe drang ein Grollen auf ihn zu, so schien es ihm, und der Himmel vor seinen Augen war ihm wie der Rachen eines riesigen Tieres, in dem weiße Zähne blitzten; noch weit entfernt, aber grell und scharf, gingen sie irgendwo nieder und schlugen in einen Körper ein, um ihn zu zermalmen. Lichter flackerten in der Schwärze, das Prasseln stieg zu einem Rauschen an und der Regen fiel in Strömen zur Erde. Die Böen wiegten die Wasser wie schwere Vorhänge hin und her, vor und zurück. Die Blitze waren schon näher gekommen und stießen krachend herunter, dass er zusammenfuhr, wie es ist, wenn man vor lauter Erwartung noch mehr erschrickt als wenn`s ohne Erwartung geschehen wäre. Kleine Wasserfälle flossen von dem Glasdach über ihm und begossen die Geranien seiner Mutter. Das Schauspiel des Himmels ging noch eine Weile und brachte alles in ein faszinierendes Chaos, ein Wirrwarr. Er liebte das.
 Da bist du also, dachte er. Er hatte in letzter Zeit viel über den Satan nachgedacht und beim Propheten Jesaja von dem schönen Morgenstern gelesen, dem gefallenen Engel, dem Unterdrücker aller Völker, der Gott gleich sein wollte und in die Abgründe geworfen wurde. Und er hatte am Mittag so still bei sich gedacht: Wenn es dich gibt, dann zeige es doch mal.
 Das muss nichts miteinander zutun haben, wird er später einmal verstehen; doch dort auf dem Balkon war er erstmal beeindruckt von dem Szenario. - Jahre vorher, als kleiner Junge, hatte er beim Spielen im Garten eines sonnigen Tages mal gedacht: Gott, wenn es dich gibt, dann lass es doch Morgen einmal regnen. Es hatte nicht geregnet, sondern die Sonne strahlte schön wie am Tage zuvor.
 Das muss nichts miteinander zutun haben, verstand er damals bereits; er lachte nur und freute sich über das schöne Wetter.

Samstag, 15. April 2017

Wen ihr ehrt ...

"Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!"
 Diese und andere legendäre Sätze hört und liest man vor allem in diesem Jahr sehr oft. Am 31. Oktober wird der Augustinermönch Martin Luther seine berühmten 95 Thesen vor fünfhundert Jahren an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben und damit zu einem Pionier und zum bekanntesten Gesicht der Reformation werden.
 Er wird nach und nach mit allem brechen, was bisher herrschte: eine Kirche, die ihre Aufgabe und die Botschaft, die sie tragen sollte, längst vergessen hatte, die zum Bild des Antichristen geworden war, weil man sich dort selbst zu Gott machte, über Heil und Unheil verfügte und es verkaufte wie Waren auf dem Markt. Er wird selbst zur Ware werden, die heute Bücher, Plakate, Spielfiguren und Musicals schmückt; ein Ersatzpapst einer Kirche, die sich rühmt, keinen Papst zu haben, sondern allein Christus als ihren Herrn und ihr Haupt.
 Er wird die Freiheit des Gewissens vor sich selbst und vor Gott entdecken, die Gerechtigkeit aus Glauben, den Glauben an Jesus Christus. Er wird vom guten Pfad abkommen, die Freiheit des Gewissens versaufen und mit Gewissenlosigkeit tauschen, mit dem Glauben alles rechtfertigen: die schlimmsten Texte und Beleidigungen, die Zustimmung zu grausamsten Folterungen und Bestrafungen Andersdenkender, wie es einst der verhassten Mutterkirche vorgeworfen wurde, obgleich er einmal gesagt hatte, man dürfe niemanden zum Glauben zwingen.
 Man wird sagen, es sei eben eine harte und grobe Zeit und Sprache gewesen, damals bei dem Luther, und er habe eben ein Maul gehabt und vieles gar nicht so gewollt und gemeint. Doch liest man bei anderen Christen jener Zeit nicht solche Texte, nicht solche Worte; in der antiken, biblischen Zeit unseres Herrn und unserer Apostel, die an Härte und Grausamkeit nichts fehlen ließ, lesen wir nicht solche Texte, nicht solche Worte. Und wenn die ganze Welt so redete, so sollte es doch beim Christen anders sein, oder nicht? Und was wir wollen oder nicht, was wir anrichten oder nicht, dem Christen sollte es doch klar sein, oder nicht?
 Von der Freiheit des Gewissens wird man viel reden und es als Errungenschaft der Reformation preisen. Von der Gerechtigkeit (allein) aus Glauben wird man viel reden; dass es der Glaube an Jesus Christus ist, der eine und einzige Weg, davon wird man weniger reden; dass Glaube ohne Werke tot ist, dass die Werke Christi Liebe, Sanftmut, Barmherzigkeit, Treue, Unbestechlichkeit, Wahrhaftigkeit und dergleichen Tugenden sind, gegen jedermann, den Nächsten, dass der Herr nicht bloß die böse Tat, sondern schon den bösen Gedanken beurteilt, davon wird man weniger reden.
 Er, Martin Luther, wird eine großartige Bibelübersetzung schreiben. Nicht die genaueste, aber mit Sicherheit die schönste in deutscher Sprache; das größte Werk seines Lebens. Er wird den einzig guten Maßstab zur Auslegung der Schrift an die Hand geben, das ist Jesus Christus selbst, und wird selbst dagegen verstoßen, indem er manche Texte vorzieht und hervorhebt, andere zurückstellt und gar als "stroherne Epistel" herabsetzt, obwohl so viel Gutes und Wahres darinsteht.
 Die Übersetzung wird man ehren, als Meilenstein deutscher Literatur und wegen ihres enormen Einflusses auf die deutsche Sprache und Kulturgeschichte; und manche werden sie sogar dadurch ehren, dass sie sie lesen und aus ihr lernen.

Es geht nicht um Luther. Gott hat diese beeindruckende Persönlichkeit gebraucht in einer Zeit, wo es vonnöten war, um das Wesentliche wieder auszugraben, das von so viel Prunk und Schund zugeschüttet war. Gleichsam ist er ein schillerndes und tragisches Beispiel dafür, was Macht, Einfluss und Rausch mit einem Menschen machen, und wie sogar jemand, der so wunderbare Texte schrieb und so frei war, vom guten Weg abkommen und Knecht werden kann - der Fürsten und vor allem seiner selbst.
 Wir sollten Acht haben, dass es uns nicht genauso geht und wir etwa für die Anerkennung von Oberen und der Gesellschaft die Lehre Gottes drangeben, nicht wahr? Dass die Freiheit des Gewissens nicht die Freiheit vom Gewissen werde; dass die Rechtfertigung nicht "allein" aus Glauben komme, noch dazu aus irgendeinem Glauben, sondern dass er uns nach Gesinnung, Worten und Taten beurteilen wird; dass er nicht eine religiöse Variante sei, ein "christliches Sinn-Angebot", sondern er ist der Weg zu Gott und die Versöhnung mit ihm.
 Wollen wir die Reformation feiern und ihr gedenken, so sollten wir uns eine Frage stellen, die damals alles entschied, heute alles entscheidet, und ferner alles entscheiden wird: Wen ehren wir?

Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. 
(Offb 4,11)

Samstag, 1. April 2017

When sorrows like sea billows roll, oder: Deine wogenden Wellen

Kennst du diese wunderbaren Zeilen? Sie sind von dem US-amerikanischen Anwalt Horatio Spafford, der sie nach schweren Schicksalsschlägen niederschrieb. Er verlor seine vier Töchter bei einem Schiffsunglück auf dem Atlantik, als seine Frau mit den Kindern nach Europa vorwegreisen wollte; das Schiff war am 22. November 1873 mit einem anderen kollidiert und gesunken. Seine Frau sandte ihm ein Telegramm, in dem stand: "Saved alone ..." - "Als Einzige gerettet ..."
 Spafford reiste kurz darauf seiner trauernden Frau nach und soll nahe dem Unglücksort, auf dem Meer, die Inspiration für diesen Text gehabt haben, der heute als Lied bekannt ist: It Is Well with My Soul - Es ist gut in meiner Seele.
 Dort schreibt er: Whatever my lot, Thou has taught me to say: It is well, it is well with my soul - Was auch immer mein Schicksal ist, Du hast mich gelehrt zu sagen: Es ist gut, es ist gut in meiner Seele.
 Diese Zeilen erinnern an Hiobs Worte, wenn er nach zahlreichen Schicksalsschlägen spricht: Der HERR hat`s gegeben, der HERR hat`s genommen; gelobt sei der Name des HERRN! (Hiob 1,21); oder wenn er seiner Frau sagt: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?, nachdem sie meinte, er solle Gott bei all diesem Unglück doch absagen und verrecken (Hiob 2,9.10).
 Was ist mit deinen wogenden Wellen? Was ist mit deinen Sorgen, mit den Schlägen, die das Leben dir beigebracht hat, an der Seele und am Leib? Dass es dir überhaupt widerfahren ist, hast du vielleicht schon als unergründbar erkannt, aber warum helfen Gott und Glaube nicht bei diesem Übel? In alten Zeiten hat der Ewige das Meer geteilt oder Stadtmauern durch den Klang von Posaunen stürzen lassen, und der Sohn Gottes hat Kranke geheilt und Tote erweckt, die Apostel gar nur durch ihren Schatten und durch getragene Kleidung (Apg 5,15; 19,11.12). Wo ist das hin?
 Manche werden dir erzählen, du musst nur richtig glauben, fest genug glauben, dann wirst du das Werk sehen, das Wunder erleben, und deine Gebrechen und Krankheiten werden geheilt. Vielleicht mag das nicht ganz falsch sein, vielleicht haben wir einiges verlernt oder werden abgelenkt und überlagert ... Und so kneifen sie die Augen zusammen und versuchen, durch Konzentration aus dem Himmel Kräfte herauszupressen und den Geist anzurufen, dass sie ihn bekämen. Sie bekommen einen Geist, das ist sicher. Lass dich nicht verwirren.
 Die auf sie hören und keine Wunder sehen, keine Heilung erfahren, die zweifeln an ihrem Glauben, an der Kraft ihres Glaubens, oder an Gottes Güte; und sie verzweifeln. Lass dich nicht verwirren.
 Sie predigen dir das Werk und du wartest auf das Werk, was nur allzu menschlich und verständlich ist, wenn du Leid und Schmerzen ertragen musst. Aber lass dich nicht betrügen. Sie haben keine Ahnung vom Geist. Sie wissen ja nicht mal, was sie ergriffen hat und meinen, es sei Gott. Und wenn du doch schon merkst, dass es dir schadet, dass es dich belastet und unfrei macht und deinen Glauben stört, dann gehe doch nicht hin, höre nicht hin; verlasse solche Leute und solche Gemeinschaften doch. Wie Sören Kierkegaard einmal schrieb: "denn nur die Wahrheit, die erbaut, ist Wahrheit für dich", womit er sein Werk Entweder - Oder abschloss. Also was suchst du dort?
 Denn Jesus sagte es zur Samariterin: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,24); denn solche Anbeter will der Vater haben. Und das sollten wir Christen sagen und verstehen können, wie Paulus schrieb: Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. (1. Kor 2,12.13)
 Das ist der Geist aus Gott. Und dieser Geist predigt nicht sich selber, sondern was er hört, und er verherrlicht den Sohn, sagt Jesus im Johannesevangelium, Kapitel 16. Und dieser Geist heilt uns, natürlich heilt er uns, denn der Sohn heilt uns. Das meint es auch, wenn es heißt "das Fleisch töten": nicht Askese und Selbstzwang, oder Rituale ohne Ende, wieder und wieder, je öfter desto frommer; sondern die Veränderung des Sinnes: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. (Ps 51,12.13)
 Denn wenn der Geist uns regiert und nicht das Fleisch, dann haben wir nicht nur einzelne Symptome therapiert oder etwas Ruhe bis zum nächsten Übel, wegen dem wir klagen können, sondern wir haben es überwunden. Überwinden ist etwas anderes als diese Irrlehrer und Flattergeister mit ihrem Gerede und ihren Effekten. Es ist wie die Auferstehung des geistlichen Menschen aus diesem irdischen Bauwerk, aus diesem Gebilde hier. Und ja, ganz ohne Schmerz geht es nicht. Denn wir müssen das, woran wir so sehr hängen, hingeben; das Gebilde und unsere Einbildung davon, und mit dem alten Menschen brechen.
 Und gerade geht es nur um uns selbst und fällt uns schon so schwer, und wir wollen unsere kleinen Beschwerden nicht mal ignorieren, sondern heben sie auf einen Sockel und wollen wundersame Dinge sehen. Was hätte ein Horatio Spafford sagen sollen, dort auf dem Meer, das seine kleinen Mädchen genommen hat? Vielleicht, sie mögen doch vor seinen Augen aus den Wellen steigen und in seine Arme kommen. Das wäre ein "Wunder" gewesen.
 Das hat Gott aber nicht getan. Sondern er hat diesem Mann, in dessen Herzen es aussah wie auf diesem Meer, Worte eingegeben und hat seinen Geist erhoben; und bis heute singen Menschen dieses Lied und lassen sich davon trösten. Wie Jesus sagte: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. (Joh 17,17)
 Diesen Jesus müssen wir ansehen. Denn der gleiche Jesus kam seinen Jüngern auch auf wogenden Wellen entgegen, als sie im Boot waren und es stürmte. Und Petrus bittet ihn und spricht: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen; und Jesus sagt ihm: Komm her! Und Petrus geht schon auf dem Wasser, geht schon über diese Wellen, und er schaut sie an, diese Gezeiten und den Sturm, bekommt Angst und versinkt, dass Jesus ihn ergreifen muss (Mt 14,22-33). Ihn, der uns liebt, müssen wir ansehen. Er ist das ganze Geheimnis Gottes und des Menschen.
 Und er wird dich freimachen und nicht betrügen, und du brauchst diese Wundertäter und dieses Gerede und Getue nicht, sondern kannst mit ihm reden, wie mit einem echten Freund oder einem großen Bruder, der deine Sorgen weiß und deinen Blick ablenkt auf den Horizont. Und dann einmal wird er mit dir an den Klippen stehen und all die tosenden Wellen und das Meer sind weit unter dir, und du siehst es unten stürmen und an den Felsen brechen und schäumen; und hast alldas überwunden und bist erhaben.
 Bis dahin sollen wir lernen, Glauben halten lernen (2. Tim 4,7). Was für eine Schule, was für eine Charakterbildung soll das sein, wenn wir schon bei gehässigen Worten oder bösem Lächeln einknicken, und haben noch gar nichts ertragen müssen. Wenn wir ihn bei jedem Widerfahren fragen "Warum ich?", "Warum dieses?", "Warum jenes?", obwohl wir in allen Kirchen und Gemeinschaften sagen und singen: Dein Wille, Herr, geschehe!, und: Du bist der Herr, der Gott, und weißt alle Dinge und wirst es wohl machen!, und dergleichen.
 Er aber sagt uns: Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erheben. Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mt 11,28-30)
 Tauschen wir es ein, tausche du es ein: tausche die Last dieser Welt, diesen Staub und die Erde, diese Selbstumkreisung und diese falschen Lehrer gegen den guten Hirten und den richtigen Lehrmeister, das ist Jesus und der Geist Gottes. Er ist ein guter Lehrer, er hat Verständnis und Geduld, so viel Geduld. Damit wir wachsen und einmal sagen können, wie in der deutschen Übertragung von Spaffords Zeilen: Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn.       

Dienstag, 21. März 2017

Der gute Lauf

Was haben wir Briefe geschrieben? Was haben wir alles durchgefochten? Über Gott und die Welt, über die Schriften, das Evangelium, das Leben, Recht und Unrecht, falsche Lehren und wahren Glauben. Ich sah nicht alles so wie Du, ich sehe nicht alles so wie Du; und ich habe so viel gelernt von Dir.
 Ich lese Deine Briefe immernoch ab und zu; die ältesten sind nun über elf Jahre alt. Und ich weiß noch, wie ich begonnen habe, Dir zu schreiben, weil ich so ungern telefoniere. So fing es an. Und wie ich Dir damals noch schrieb, die Wahrheit sei ein "pfadloses Land", weil ich derzeit gerade einen indischen Weisheitslehrer am lesen war, und Du mir sagtest, damit könnest Du nichts anfangen; es gebe einen Pfad: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh 14,6). So fing es an.
 Das ist der gute Pfad. Und Du würdest Dir nie etwas darauf einbilden: Du weißt, dass Du nur gehegt hast, was längst angelegt war. Denn Du kennst den, der es angelegt hat, das ist Gott, der hat einen hellen Schein in mein Herz gegeben (2. Kor 4,6). Seit ich denken kann, habe ich nichts anderes gesucht!
 Und alle Zeit hast Du mir gelassen und alle Gedanken und Fragen, die es zum lernen brauchte; denn wir müssen lernen. Und Du hast viel gebetet. Das ist Deine ganze Zuversicht, sagtest Du mir: alle werden Ihn erkennen. Aber es wird dauern. - Ja, es wird dauern.
 Und nun habe ich für Dich zu beten. Denn Du machst ja kein Geheimnis daraus: Du wartest auf den letzten Atemzug und dass Du endlich auch noch von dem letzten Band, das Dich hier hält, erlöst werdest in die Ewigkeit. Und sicher denkst Du abends in der Stille: Ach, ich bin müde geworden, mein Herr; und sehnst Dich nach der Heimat.
 Eine kleine Weile noch. Es ist nur eine kleine Weile noch. Dann wird diese Hütte hier abgebrochen werden und er wird Dich aufrichten und Du wirst überkleidet werden mit Leben.
 Bis dahin tröste Dich mit den Worten, die wir auch einmal sagen wollen: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; (2. Tim 4,7)

Auf bald, hier oder dort.

Der Herr segne Dich. 

Sonntag, 19. Februar 2017

Ihr habt nicht getanzt

Mit wem aber soll ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und den andern zurufen: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. (Matthäus 11,16.17)

Ist es das? Ihr tanzt auch heute nicht, will man meinen. Ihr sitzt da in Bankreihen oder auf Stühlen und vorne wird euch aufgespielt und ihr tanzt nicht. Und wer will es euch verübeln? Was euch dort aufgeführt wird, versteht ihr nicht, was euch dort gesungen wird, versteht ihr nicht; ein Schauspiel aus Gewändern, Ritualen und Formeln, die einfach zum Programm gehören.
 Es herrscht Verunsicherung in euch; wer tanzt da schon? Denn gerade hat der Pfarrer noch mit euch gesungen: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist (...) jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit, und hat mit euch das Bekenntnis gesprochen: Ich glaube (...); dann erzählt er euch in der Predigt, das seien Mythen, alte Geschichten und Metaphern, die aber trotzdem auch sinnstiftend sein können und Orientierung im Leben geben können; der Rest ist ein Kommentar zur politischen Lage (natürlich unparteiisch) und zum Umweltschutz. Dann wird er mit euch beten, als ob es diesen Gott wirklich gäbe, als hätte euch der Sohn Gottes wirklich erlöst und freigemacht, und euch seinen Heiligen Geist gesendet, der euch beistehe und tröste und euch lehre in der Wahrheit.
 Und vielleicht fragt ihr euch, wenn ihr das so seht, ob die da vorne das eigentlich selber glauben, was sie da sagen und singen. Und vielleicht fragen die sich das auch. Vielleicht, nein sicherlich, sind dort einige, die würden euch gerne mitten ins Herz treffen, euch sagen, dass es die Wahrheit ist, dass dieser Jesus euch freimachen wird, wenn ihr nur einen Moment die Zweifel und die Skepsis, die Reserviertheit ignorieren und euch mit ganzem Herzen hingeben wolltet. Die würden euch gerne mit ihrem eigenen Glauben leuchten, mit dieser Liebe, die sie erfahren haben und die sie zu einem neuen Menschen gemacht hat; die Liebe Gottes, die den alten Menschen, der sie waren, all die Ängste, all den Hader, all die Selbstsucht und den Zorn, all die Feigheit und die Heuchelei und alldas, hinter sich geworfen hat und ihre Seele geheilt hat. - Aber das tut man nicht! Das wäre zu nah, zu vereinnahmend, zu intolerant, und vielleicht hieltet ihr sie für irre, für fundamentalistisch; Rückständige, die noch Märchen glauben und zwischen Dichtung und Wahrheit nicht unterscheiden können, und so weiter. Und sie haben das Herz nicht.
 Also lassen sie`s und es wird nicht getanzt. Und sie beklagen, die Leute könnten mit der Kirche nichts mehr anfangen. Man spiele ihnen doch auf, aber sie tanzten nicht; man singe ihnen doch, aber es rühre sie nicht. Und da ist kein Feuer!
 Dabei bist Du vielleicht am Sonntag, oder wann auch immer, mal wieder in die Kirche gegangen, weil Du dachtest, Gott würde dort zu Dir sprechen. Oder warum geht man in eine Kirche? Und Du siehst irgendeinen Zinober und weißt nicht, was Du damit sollst. Du suchst, aber nicht ein "christliches Orientierungsangebot", sondern Erkenntnis, die Erkenntnis Gottes und Deiner selbst, Wahrheit, Schönheit und Liebe, Verständnis, Erleuchtung und Verwandlung.
 Du hast vielleicht schon begriffen, irgendwann im Stillen (durch Nachdenken oder es einfach nur gefühlt), dass Du Dich selbst nicht durchhalten kannst, dass Du in diese Welt geworfen wurdest und ohne Liebe und schützende Hände wärst Du längst verkümmert und vergangen. Und Du hast in Deinem Zimmer die Augen geschlossen, Dich von dieser Stille einnehmen lassen, ob Du ihn zu Dir sprechen hörst, wenn keine anderen dabei sind, die Dir sagen, dass Du sie nicht mehr alle hast. Oder Du hast in den Himmel hinaufgeschaut und gedacht, da sei jemand, der Dich sieht, der Dich kennt, bis in die letzten Winkel Deiner Seele; und vielleicht hat Dir das Angst gemacht, weil Du nicht weißt, wie dieser Gott ist, weil er Dir fremd ist. Vielleicht nimmt er Dir Deine Freiheit, halst Dir lauter Gebote auf und verbietet Dir alles Schöne. Vielleicht verlierst Du Freunde, vielleicht verachtet man Dich, vielleicht wirst Du Menschen verachten. Und bei all dem Leid in dieser Welt kann schwerlich ein Gott da sein, kein guter jedenfalls. Wer hat das nicht schon alles durchgefochten?!
 In der Kirche, wo Du sitzt, sind doch Gläubige, denkst Du, Jüngerinnen und Jünger, die sagen: Er lebt! Wir haben ihn gesehen!; die all diese Abgründe kennen, diese Kämpfe, diese Ängste, diese Verlorenheit, und Gott kennen. Denen Jesus zu Herzen gegangen ist und dann haben sie ihn ins Herz geschlossen. Die Dir den Weg der Wahrheit zeigen können, ohne Dich auszusaugen und zu ersticken, sondern weil diese Wahrheit in ihnen lebt und sie erleuchtet.
 Und sie würden Dir sagen, stellst Du Dir vor, dass Du auf der richtigen Fährte warst, da in der Stille und in Deinen Gedanken; dass es richtig sei: Da ist jemand, der Dich sieht, der Dich kennt, bis in die letzten Winkel Deiner Seele, der Dich gemacht hat und jeden Deiner Schritte weiß. Und Du brauchst keine Angst zu haben, denn er ist ein guter Gott, barmherzig und gerecht, liebevoll und unbeirrbar. Er wird Dir Deine Freiheit nicht nehmen oder Dir das Schöne im Leben verbieten, sondern Du wirst frei, wenn Du mit ihm lebst, frei von Dingen, die Du nie nötig hattest, die Dich gefesselt und abhängig gemacht haben, Deine Seele beschwert und Deinen Geist vergiftet haben; und Du wirst die Schönheit des Lebens erst richtig erkennen und lieben lernen, wenn Du sie mit diesen klaren Augen siehst, wenn diese Welt das Werk seiner Hände ist und sein ganzes Herz daran hängt. Manche Freunde verlierst Du vielleicht, das mag sein; Du wirst neue gewinnen. Und manche werden Dich verachten, das ist sicher; andere werden Dich hochschätzen. Du wirst niemanden verachten. Du hast niemanden zu verachten. Es ist nicht Deine Sache.
 Das Leid in dieser Welt und der Schmerz werden Dich rühren, wirklich rühren, wenn Du es siehst, diesen Zorn, den Hass, mit dem Menschen sich zerstören; diese Einsamkeit, den Lebensüberdruss, der Menschen alles Licht und alle Freude nimmt, dass sie lieber tot wären, weil sie eh schon wie lebendig begraben sind; diese Unfähigkeit zur Vergebung, dieser Stolz und die Selbstsucht, was eigentlich nur Selbsthass ist; dieser Neid, die Missgunst, die Unzufriedenheit, dieser Narzissmus; dieses Gefallen am Bösen und Durchtriebenen, das man für interessant und klug hält, dieser Spott gegen das Gute und die Harmonie, weil man es für langweilig und naiv hält. All das Leid wird Dich rühren.
 Und es wird aufhören: als erstes wird es aufhören, ein Argument, eine Theorie, eine Theodizee-Debatte zu sein, die niemandem hilft (am wenigsten den Leidenden), sondern nur Bücher mit toter Philosophie und Theologie füllt. Es gibt keine Argumente! Da ist Leid, das müssen wir ertragen, und lernen, beizustehen, mitzufühlen, zu helfen und zu lieben, immer mehr.
 "Das kann man alles auch ohne den Glauben an Gott tun!", wirst Du hören. Dann lass sie es ohne Gott tun, wir tun es mit Gott; so einfach ist das. Und all das Leid wird aufhören, schließlich, wenn Gott die Welt, die Himmel und die Erde neu machen wird, durch Gericht und Gnade, durch Liebe und Gerechtigkeit. Da wird er diesen Zorn, diesen Hass, den Stolz und die Selbstsucht, Neid, Missgunst und alldas, strafen. Und die Zerstörten und Niedergeschlagenen wird er aufrichten aus dem Staub und der Asche. Den Einsamen und Verlorenen wird er wieder Licht und Freude geben und wird sie mit Leben erfüllen. Denn er hat all das Leid gesehen, all den Schmerz gefühlt und sich rühren lassen, wie eine Mutter um ihr Kind immer Rührung und Sorge hat. Man will es kaum glauben. Man will es nicht glauben.
 Den einen ist das Wort Gottes aufgegangen wie eine Sonne, den anderen ist es schleierhaft; ist es Dir aufgegangen? Dann trage dieses Licht vor Dir her.
 Die einen haben erkannt, dass sie Erlösung, dass sie Gnade brauchen, den Sohn Gottes, andere brauchen ihn offenbar nicht; hast Du es erkannt? Dann lebe diese Erlösung, diese Gnade. Sei ein Evangelium. Denn alle brauchen ihn.

Ach, wenn ich`s doch nur täte!

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
(Markus 9,24)

Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Und wenn du dich einmal bekehrst, dann stärke deine Brüder.
(Lukas 22,32)

Freitag, 27. Januar 2017

Im Herzen

Du hast mich gebildet.
Aus der Erde heraus hast Du mich gebildet,
und hast mir Deinen Atem eingehaucht;
und dann - nach wiegen, liegen und kriechen in den aufrechten Gang - suchte ich Dich,
und leuchtete wie mit einer Fackel in dunklen Gängen,
ob ich irgendwo Deine Zeichen sähe,
irgendwo Deine Stimme hörte,
irgendwo Deine Hand fühlte;
dass Du mich überwältigst und mir die Augen öffnest,
und Du nimmst Platz in mir, in meinem Geist, in meinem Herzen.
Und ich bin vielleicht irgendwo Dein Zeichen,
irgendwo Deine Stimme,
irgendwo Deine Hand.
Irgendjemand sucht Dich.
Und Du überwältigst mich und öffnest mir die Augen,
und hast Platz genommen, in meinem Geist, in meinem Herzen.
In meinem Herzen.