Donnerstag, 11. Februar 2016

Spiegel

Mein liebes Kind,

es heißt: und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag.
Das musst Du verstehen lernen, mag es auch dauern.
Denn es ist so, dass erst der Einbruch der Dunkelheit genannt ist, dann der Aufgang der Sonne.
Das ist das ganze Leben, und es ist so heilig, dass Du noch nichts davon weißt.
Aber es wird ja kommen, was soll man machen, und von der heiligen Zeit wirst Du nichts mehr erinnern, weil Engel mit Feuerschwertern diesen Garten versperren werden.
So ist zuerst alles dunkel und trübe, bis das Licht aufgeht und Du verstehst, wie die Dinge sind.
Irgendwann bricht wieder die Dunkelheit herein, alte Gedanken und Erkenntnisse verwehen, neue werden geboren, so geht es die ganze Zeit. Es ist wie das Erlöschen und Entzünden einer Kerze, und Du tust gut daran, wenn Du es mit offenen Augen und klarem Blick verfolgst. Denn es geht um Erkenntnis, es geht immer um Erkenntnis.
Der Mensch soll lernen, überhaupt erst lernen, ein Mensch zu sein, doch geht dies nur, wenn man stirbt und neugeboren wird. Versucht man aber, etwas festzuhalten, dann wird man innerlich uralt und steif, dumm und störrisch. Auch soll man sich nicht lange mit der Dunkelheit aufhalten, sie wartet ja nur auf neues Licht. Viele tun das, es ist schon volkstümlich geworden. Es macht kalt und düster, lässt einen für nichts mehr entflammen, macht träge und lahm, als sei man in sich selbst eingesargt; das ist doch kein Leben!
Sondern Leben ist Hingabe, denk daran. Als Du geboren wurdest, konntest Du gar nichts anderes, als Dich hingeben. Deshalb ehrt die Heilige Schrift die Kinder so sehr und deshalb werden sie in vielen Kirchen getauft: weil es die vollkommene Hingabe ist. So ist es, wenn man ihnen Böses tut, dann ist es ganz böse, liebt man sie aber, so liebt man sie vollkommen. Und ach, wie lieben wir Dich!
Sei also voller Vertrauen und Hingabe. Doch nicht an Menschen und Dinge, die Dich fesseln wollen, nicht für Macht und Besitz und alldas, sondern voll Hingabe an Gott. Lernst Du dies als erstes, wirst Du alles weitere richtig unterscheiden können. Auch dann wirst Du enttäuscht und gekränkt werden von Menschen, doch nicht so sehr, weil Du vergeben kannst. Sie müssen ja genauso lernen, wie Du. Und von wem sollen sie Liebe und Vergebung lernen, wenn nicht von Dir?
Auch wirst Du dennoch Leid und Schmerz erfahren, doch nicht so schlimm, weil Du den Sonnenaufgang schon siehst. Es müssen ja dunkle Zeiten sein, um Altes aufzugeben, dann aber wird es wieder hell und Du siehst klarer als zuvor.
Auch Fragen wirst Du haben und nicht wissen, wohin es geht, doch nicht so ängstlich, weil Du weißt, wer alles lenkt. Es müssen ja Geheimnisse sein, damit das Leben wertvoll und faszinierend bleibt, und damit Du Vertrauen behälst.
Du kannst Ihm vertrauen, unserm Gott, denn Er ist gut, immer ist Er gut! Ich spreche aus Erfahrung.
Du aber wirst mein Spiegel sein. Ob ich Ihn Dir zeigen konnte, diesen Heiligen, sodass Du aus Liebe lebst und untrüglich Deinen Weg machst. Ich will ja, voller Hingabe.