Donnerstag, 7. Januar 2016

Wenn du groß bist...

Wenn Kinder sich beschweren, dass Eltern ihnen etwas verbieten, oder hinterfragen, warum sie etwas nicht dürfen, dann hört man manchmal die altbekannten Sätze "Später, wenn du mal erwachsen bist, dann wirst du es verstehen!", oder "Wenn du mal groß bist, dann kannst du machen, was du willst!".
Bis dahin entscheiden und bestimmen Eltern und Erziehungsberechtigte über viele Dinge des Lebens, geben gewisse Wege vor, verbieten gewisse Sachen, fördern oder verhindern manches, nach (hoffentlich) bestem Wissen und Gewissen, um das Kind auf einen guten Weg zu bringen.

Mit Gott und den Menschen verhält es sich ebenso, weswegen wir ihn ja auch Vater nennen (Gal 4,6.7).
Da gibt es gelegentlich den Vorwurf gegen die christliche Lehre, sie würde nur eine "Vertröstung auf das Jenseits" predigen und hätte sonst keine Worte für die Widrigkeiten in dieser Welt.
Wenn das Evangelium aber auf das Jenseits hinweist, dann ist es wie mit den Eltern und den Kindern:
Denn wir sind nicht erwachsen, sondern sind meist kleine Kinder, die für sich Dinge wollen, welche nicht gut für sie sind, und oft sind wir ziemliche Idioten, die sich mit dummen und sinnlosen Sachen beschäftigen.
Wir sind uneinsichtig, wenn es um uns geht, wissen aber alles, wenn jemand anderes Schuld hat.
Wir fordern Nachsicht und Bescheidenheit von anderen, sind aber selbst ungeduldig und halten uns für Herren.
Wir übervorteilen andere und trauern um jedes Stückchen, das wir verlieren.
Wir wollen toleriert, akzeptiert und in Frieden gelassen werden, stellen aber andere an den Pranger oder schlachten sie ab und dergleichen mehr.
Wir sind nicht erwachsen.
 Es wäre keine "Vertröstung" auf jenseitigen Frieden nötig, wenn wir hier schlicht und einfach friedlich und liebevoll leben würden, doch das tun wir nicht (Rö 3,22-24). Daher weist das Evangelium auf die zukünftige Welt, den Leidenden als Trost, den Hochmütigen als Mahnung.
Wenn du groß bist... Das heißt: wenn das alte Wesen gänzlich abgestorben und man aus dem Feuer neugeboren ist (1. Kor 3,12-15), und wenn man versteht, warum die Dinge so gefügt sind, wie sie es sind, man also das ganze Bild sieht (1. Kor 13,12 & 2. Petr 3,13).

Doch können wir nicht auf das zukünftige Bild zeigen, ohne das jetzige mit anzuzeigen. Denn wir wissen, was gut und schlecht ist und haben keine Entschuldigung. Auch sollen wir nicht erst durchs Feuer verständig werden, sondern (bestmöglichst) bereits hier; keine Kinder bleiben, sondern heranwachsen in diesem Leben:
damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.
Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, (Eph 4,14.15)

Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige! (1. Kor 9,16)