Donnerstag, 21. Januar 2016

Kain und Abel - Fleisch und Geist (Gen 4,1-16)

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdenreich besitzen. (Mt 5,5)

Nachdem der Mensch und seine Frau aus dem Paradies vertrieben sind, zeigt uns die Schrift, was aus dem Menschengeschlecht durch die Trennung von Gott geworden ist:
Adam und Eva zeugen zwei Söhne. Die Schrift spricht von erkennen (jadá`), was mehr meint, als die reine Zeugung, sondern das Erfassen und Begreifen des ganzen Wesens. Der Mann steht biblisch für den Geist, die Frau für die Sinnlichkeit, weswegen den Frauen in der gesamten Bibel auch mehr sinnliche Gebote gegeben sind, den Männern mehr geistliche.
Der erste Sohn ist Kain (das meint: Geschöpf), über den Eva sagt: Ich bin Bildnerin eines Mannes geworden mit der Hilfe des HERRN. (Gen 4,1).
Der zweite Sohn ist Abel, was meint: Hauch, Dunst, Nichtigkeit und Verwehen.
Kain wird ein Ackerbauer, Abel ein Schäfer.
Eines Tages bringen beide Gott ein Opfer dar; Kain opfert die Früchte seines Feldes, Abel opfert die Erstlinge aus seiner Herde. Als Gott das Opfer Abels gnädig ansieht, Kains Opfer aber nicht, wird Kain zornig. Gott warnt ihn vor seiner Herzenshaltung, er solle mit seinem Geist über das Fleisch regieren:
Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum ist dein Gesicht finster? 
Ist es nicht so? Wenn du fromm bist, so kannst du frei das Gesicht erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und sie hat Verlangen nach dir; du aber herrsche über sie. (Gen 4,6.7).
Doch Kain hört nicht auf Gott, gibt seinem Zorn nach und erschlägt seinen Bruder auf dem Feld.
Er begeht (biblisch gesehen) den ersten Mord, was zweierlei Bedeutung hat:
- der Mensch hasst seinesgleichen (und letztlich sich selbst), was wir bis heute unverändert sehen können.
- das Fleisch kämpft gegen den Geist (Gal 5,17). Denn Kain (das Geschöpf) steht für den verfluchten Menschen, daher auch Ackerbauer, denn: verflucht sei der Acker um deinetwillen! (Gen 3,17).
Abel (der Hauch) steht für den geistlichen Menschen, dessen Nichtigkeit, Schwäche und Sanftmut einst die Erde regieren wird, wie Matthäus 5,5 sagt; daher ein Schäfer. Er glaubte Gott, weshalb dieser sein Opfer gnädig ansah (Hebr 11,4).
Gott fragt Kain nach seinem Bruder, was dieser höhnisch beantwortet: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? (Gen 4,9). Er spottet damit Gott und seinem ermordeten Bruder, bestätigt Gottes Urteil über seine Haltung und sein Opfer, welches er nicht ansah. Wäre Kain guten Herzens gewesen, hätte er sich für seinen Bruder gefreut und in Vertrauen Gottes Urteile hingenommen. Doch zeigt er uns vielmehr einen Typos von einem Menschen: egoistisch, neidisch, zornig, spöttisch.
Gott verflucht Kain, seinen Ackerbau und seinen Lebensweg. Da er auf dem Acker Leben genommen hat, soll dieser ihm fortan kein Leben mehr geben (Gen 4,12). Er muss umherirren auf der Erde, unstet und flüchtig, wie es heißt.
Kain kann dies nicht ertragen, fürchtet als Rechtloser um Leib und Leben, wenn Gott sich von ihm abwendet. Doch Gott stellt ihn unter seinen Schutz, macht ihm ein Zeichen, das als Kainsmal bekannt ist, und schwört siebenfältige Rache, falls ihn jemand totschlägt. Sieben heißt vollständig, und deutet auf ein Detail im Text: das Wort Bruder kommt siebenmal im Text vor. Kurzum: Gott verachtet Mord, denn es ist das Auslöschen des Geschöpfes, das man selbst ist. Das Zeichen, das Kainsmal, ist Zeichen der Gnade und zugleich Zeichen der Schuld, göttliches Siegel und menschlicher Makel.
Kain muss gehen. Er zieht östlich von Eden ins Land Nod, was meint: er irrt umher, denn Nod heißt Schweife. So tut es die Menschheit seither.

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdenreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott sehen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
(Mt 5,3-10)

Mittwoch, 20. Januar 2016

Anamnese

Ich wollte ja Glauben für die ganze Welt haben, aber es muss doch jeder selbst einsichtig werden, und man kann nicht für andere Lichter anzünden.
Den Menschen wurde von unserem Heiligen gesagt, was gute Lehre und gutes Leben ist: dass man Gott nur lieben kann, wenn man den Menschen liebt (Mt 22,34-40), dass man nicht behaupten kann, man glaube, wenn man nicht in guten Werken mit anderen umgeht (Jak 2,20); daher nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch sprechen, und all das.
Lange wurde das gepredigt in aller Welt, oft wurde dagegen verstoßen, als erstes in der Kirche selbst, sodass sie an der eigenen Botschaft unglaubwürdig wurde. Denn leider sind die großen Kirchen als Institutionen keine Zeugen für das Christentum, sind es nie gewesen, außer durch das ausgesagte Bekenntnis ansich. Will man das Christentum sehen, muss man sich die einfachen Christen anschauen, jene, die glauben, Gott lieben und (bei aller Verfehlung) den Willen haben, sich zu bessern und den Menschen zu dienen. Die nicht Politik machen und sich bei Fürsten und Herren einschleimen. Die ihre Gaben und Talente nicht missbrauchen, um Massen zu verführen und sie hörig zu machen. Die nicht Seelen einkaufen, um die sie sich dann nicht mehr kümmern, sobald sie unterschrieben haben. Die nicht fremde Geister rufen und behaupten, das sei alles einerlei. Sondern die frei sind von Machenschaften und sich nicht kaufen lassen. Die unbeeindruckt sind von dem, was die Massen hören wollen, und jedes Wort prüfen auf Gewissen und auf Wahrheit. Die selbst predigen, was sie erkannt haben, nur Gott und dem Gewissen schuldig, und die von Menschen keine Unterschriften erhoffen, sondern Erkenntnis: Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. (2. Tim 4,2).
Da schrumpft die Gemeinde Gottes schon enorm, zeichnet sich nicht durch Titel und Etiketten aus, auf denen "Christus, Christus" steht (Lk 6,43-46), sondern durch hingebungsvolle Herzen, in die der Herr geschrieben hat (Jer 31,33). Sie reden, was sie glauben, frei und ungezwungen, nicht als Programm, sondern als tiefe Meinung, laden ein, wer will, und lassen gehen, wer will, denn letztlich fügt doch alles Gott, wie es sein soll.
Dazu aber braucht es Glauben und Erinnerung, wie es heißt: Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Joh 14,26).
Erinnerung, denn der Mensch vergisst Gott leicht und ist mit sich selbst und mit Unsinnigkeiten beschäftigt, kommentiert alles in Grund und Boden, und macht Dinge kompliziert, die eigentlich sehr einfach sind.
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben (...) und deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Mk 12,30.31), was ist daran nicht zu verstehen? Eigentlich nichts. Sofort aber stellt man es infrage, was der Natur scheinbar eingegeben ist: "Wer ist denn der Nächste?" (Lk 10,25-37); "Wieviel soll ich denn tun?" (Mt 5,38-48); "Was heißt Liebe denn eigentlich?" (Mt 25,40), und so weiter und so weiter.
Und weil man es nicht versteht, prägt der Geist es durch die Erinnerung und Erfahrung tiefer ins Herz, damit man weiser wird. Denn der Mensch soll ja weiser werden, damit er nicht bei Anfangsdingen bleibt, bei Mitgliedschaften und netten Floskeln, bei einer Stunde Kirchenbank und Brauchtum, sondern immer mehr verwandelt wird in einen Menschen, der aus Gott lebt, und sagen kann: Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist. (2. Kor 3,18).
Dieser Geist ist es, der frei macht (Vers 17), denn er führt zur richtigen Selbsterkenntnis, lässt all das sterben, was man nie nötig hatte (diese Sorgen, diese Ängste, diese Gier, diesen Zorn, und das alles), und bricht den wahren Menschen heraus, das Ebenbild Gottes, unbestechlich und unbeirrbar.
Dies sollte Christentum sein, und es ist die Zeit, dass wir uns daran erinnern.

Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
(1. Joh 5,3)

Donnerstag, 14. Januar 2016

Ordo ab Chao / Chao ab Ordo

Nachdem sich der Wind in den letzten Zeiten nun endgültig gedreht hat und Feuer über das Land treibt, entzünden sich auch die übrigen Herzen zu Missmut, Angst und Wut, haben mindestens Sorgen und schlimmstenfalls Panik.
Der Weitblick der Politiker und Strategen ist entweder anzuzweifeln oder er war nie gewollt, denn man hätte es wissen müssen. Einzelne Personen, Familien oder Gruppen in eine Gesellschaft zu integrieren, sie eine zeitlang als Gesellschaft mit durchzutragen, lässt sich bewerkstelligen. Nicht aber jene Massen von Menschen. So etwas müssen Staatslenker wissen und überschauen können. Auch die Kluft zwischen den Ländern, den Kulturen, Prägungen und Geisteshaltungen hätten sie sehen müssen.
Denn es sind Massen von Menschen zu uns gekommen, die seit ihrer Geburt großteils nichts anderes kennengelernt haben, als Hass, Gewalt, Zerstörung und Verachtung. Und man sollte wissen, wie tief gerade frühe Erfahrungen und Schulen prägen, und wieviel schon in der "Wiege" gewonnen und verloren wird. Dass dies nichts mit Ethnie und Hautfarbe zutun hat, sollte keine Debatte mehr sein; es hat mit Prägung und Mentalität zutun. So traurig dies ist, kann es doch nicht Sinn der Sache sein, die eigene Gesellschaft dafür zu zerstören, weil man sich eine grenzenlose Hilfe auf die Flagge geschrieben hat. Zumal die Lenker selbst nicht wissen, wie diese Hilfe und Integration eigentlich aussehen soll.
Dies aber geschieht gerade, unsere Gesellschaft reißt ein, und der böse, feierliche Auftakt dafür war die Silvesternacht, in der an Frauen Schande getrieben wurde und zahlreiche Menschen beraubt und verletzt wurden. Was kommen wird, ist ersichtlich: da die Staatsgewalt die Bürger nicht beschützt (auf Geheiß von oben), werden die Bürger es zunehmend selbst tun, was letztlich zum Bürgerkrieg führen wird. Hass und Zorn machen keine Unterschiede, und so wird es sich gegen jeden Menschen aus dem Raster richten, er sei für etwas verantwortlich oder nicht. Die Unsicherheit der Menschen ist eine offene Tür für die rechte Gesinnung, zumal ja seit diesem Jahr (wie seltsam passend) Hitlers "Mein Kampf" wieder aufgelegt wird. Die Attackierten werden sich rächen und wir werden wieder Zustände haben, von denen die Geschichtsschreibung bereits viele Lieder singen kann. Es ist bedauerlich.
Wäre die Obrigkeit frei und klug, und läge ihr etwas an einer guten Gesellschaft, so würde sie in diesen Zeiten mit aller Klarheit und ohne Abstriche das Gesetz durchsetzen, wie es ihre Aufgabe ist (Rö 13,3.4).

Die Idee ist die einer möglichst globalen Demokratie, jener mysteriöse Begriff der "Neuen Weltordnung", und der Versuch, aus chaotischen Zuständen heraus Ordnungsstrukturen aufzurichten (Gen 11,1-9). Menschengeschichte und Erfahrung sollten eigentlich gezeigt haben, dass dies nicht machbar ist (wenn man es schon nicht aus der Schrift ersehen will). Doch zu leiden hat ja nur das einfache Volk, also wird weiter gespielt.
Es ist bedauerlich. Es ist bedauerlich, dass der Mensch immernoch so unfrei ist, so gefangen in diesem Geist, so uneinsichtig und lieblos gegen sich selbst, aber so selbstherrlich Gott spielt. Bedauerlich, dass man sich immernoch vorschreiben lässt, was eindeutig Unrecht ist.
Wir Christen aber sollen keine Angst haben, wie unser Herr uns sagt: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Joh 16,33). Soweit uns möglich ist, sollen wir Frieden mit den Menschen haben und ihnen in Liebe begegnen (Rö 12,18). Es bleibt der alte Rat gültig, dass sich Bosheit nur mit Gutem bezwingen lässt: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Rö 12,21). In Zeiten wie diesen stellt sich heraus, was wir haben und ob wir unbeirrt den Weg gehen, den unser Herr uns gewiesen hat. Am Ende des Tages war es nur ein Gewitter.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! (Rö 1,7)

Freitag, 8. Januar 2016

Zwei Arten zu beten

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand für sich und betete: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. (Lk 18,10-14)

In einem kurzen Gleichnis zeigt der Heilige Gottes hier zwei Gesinnungen auf, die uns einen Spiegel vorhalten sollen. Der fromme Schriftgelehrte betet hochmütig, grenzt sich von den anderen Menschen ab (er stand für sich) und hebt sich selbst hervor. Er dankt Gott, doch nicht für dessen Gnade und Hilfe, sondern für seine eigene Ehre und Position, und klagt nicht nur allgemein die anderen an, sondern verklagt auch gezielt den anwesenden Zöllner. Darin sehen wir schon eine natürliche Regel: die Selbsterhöhung bedeutet immer zugleich die Anklage anderer Menschen. Sie geschieht nicht alleine, für sich selbst, sondern sie richtet gleichzeitig immer andere. Deshalb warnt die Bibel davor, denn der Mensch, den man verurteilt, ist letztlich ein Spiegelbild der eigenen Person (Mt 7,1-6).
Der Zöllner steht entfernt, fürchtet Gottes Gericht (jenes Gericht, das der Pharisäer gerade über ihn ausspricht) und ruft um Gnade. Das Schlagen auf die Brust ist die Selbstanklage und das Sterben des alten Menschen (Hiob 4,17-21) als ein Zeichen, indem man auf das Herz schlägt.
Diesen Zöllner spricht Jesus gerecht, den Gelehrten nicht. Denn indem der Zöllner sich selbst klein macht, macht er Gott groß (Ps 51,19); der Gelehrte aber macht sich selbst groß und damit Gott klein, denn er lobt Gott nur wegen sich selbst.
Der Zöllner liefert sich aus und glaubt, indem er aussagt, dass nur noch Gott helfen kann;
der Pharisäer hingegen macht sich selbst zu Gott.
So schließt dieses Gleichnis treffend an den vorigen Text in Kapitel 18 an, wo Jesus spricht:
Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Erwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er`s bei ihnen lange hinziehen?
Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? (Lk 18,7.8).
Im nachfolgenden Text findet sich die berühmte Segnung der Kinder und zugleich die Antwort Gottes auf den flehenden Zöllner: er soll vertrauen wie ein Kind, dann gehört ihm der Himmel (Lk 18,15-17).

Wozu aber überhaupt das Gebet?, fragen sich manche. Das Gebet bedeutet vieles:
Wenn wir beten, dann danken wir, bitten wir, erinnern uns, schütten unser Herz aus, drücken Freude oder Trauer aus, und all das, wie man in den ganzen Psalmen lesen kann.
Vor allem aber sagen wir durch das Gebet, dass Gott wahr ist!
Mit einer Theorie oder einem Ideal unterhält man sich nicht, zu einer Philosophie betet man nicht.
Deshalb haben Kritiker auch kein Problem damit, wenn man sagt: "Ich kann mir logischerweise ein göttliches Prinzip vorstellen". Sagt man aber: "Ich bete zu Gott", dann schütteln sie den Kopf und halten uns für irre.
Das Gebet zeigt Gott als lebendig und wahr, deshalb beten wir und nehmen uns das Gleichnis zu Herzen.

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen;
(1. Thess 5,16-18a)

Donnerstag, 7. Januar 2016

Wenn du groß bist...

Wenn Kinder sich beschweren, dass Eltern ihnen etwas verbieten, oder hinterfragen, warum sie etwas nicht dürfen, dann hört man manchmal die altbekannten Sätze "Später, wenn du mal erwachsen bist, dann wirst du es verstehen!", oder "Wenn du mal groß bist, dann kannst du machen, was du willst!".
Bis dahin entscheiden und bestimmen Eltern und Erziehungsberechtigte über viele Dinge des Lebens, geben gewisse Wege vor, verbieten gewisse Sachen, fördern oder verhindern manches, nach (hoffentlich) bestem Wissen und Gewissen, um das Kind auf einen guten Weg zu bringen.

Mit Gott und den Menschen verhält es sich ebenso, weswegen wir ihn ja auch Vater nennen (Gal 4,6.7).
Da gibt es gelegentlich den Vorwurf gegen die christliche Lehre, sie würde nur eine "Vertröstung auf das Jenseits" predigen und hätte sonst keine Worte für die Widrigkeiten in dieser Welt.
Wenn das Evangelium aber auf das Jenseits hinweist, dann ist es wie mit den Eltern und den Kindern:
Denn wir sind nicht erwachsen, sondern sind meist kleine Kinder, die für sich Dinge wollen, welche nicht gut für sie sind, und oft sind wir ziemliche Idioten, die sich mit dummen und sinnlosen Sachen beschäftigen.
Wir sind uneinsichtig, wenn es um uns geht, wissen aber alles, wenn jemand anderes Schuld hat.
Wir fordern Nachsicht und Bescheidenheit von anderen, sind aber selbst ungeduldig und halten uns für Herren.
Wir übervorteilen andere und trauern um jedes Stückchen, das wir verlieren.
Wir wollen toleriert, akzeptiert und in Frieden gelassen werden, stellen aber andere an den Pranger oder schlachten sie ab und dergleichen mehr.
Wir sind nicht erwachsen.
 Es wäre keine "Vertröstung" auf jenseitigen Frieden nötig, wenn wir hier schlicht und einfach friedlich und liebevoll leben würden, doch das tun wir nicht (Rö 3,22-24). Daher weist das Evangelium auf die zukünftige Welt, den Leidenden als Trost, den Hochmütigen als Mahnung.
Wenn du groß bist... Das heißt: wenn das alte Wesen gänzlich abgestorben und man aus dem Feuer neugeboren ist (1. Kor 3,12-15), und wenn man versteht, warum die Dinge so gefügt sind, wie sie es sind, man also das ganze Bild sieht (1. Kor 13,12 & 2. Petr 3,13).

Doch können wir nicht auf das zukünftige Bild zeigen, ohne das jetzige mit anzuzeigen. Denn wir wissen, was gut und schlecht ist und haben keine Entschuldigung. Auch sollen wir nicht erst durchs Feuer verständig werden, sondern (bestmöglichst) bereits hier; keine Kinder bleiben, sondern heranwachsen in diesem Leben:
damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.
Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, (Eph 4,14.15)

Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige! (1. Kor 9,16)