Mittwoch, 11. Februar 2015

Ein Garten

Ich stehe in der Mitte eines Gartens,
sehe Blätter kreisen,
die aus dem Herzen dieser Wildnis
in eine bess´re Ferne reisen.

Durch den Wirbel wie gefesselt,
tanzen sie noch eine Runde,
schweben mit der letzten Böe
über eine alte Wunde.

Es war ein Garten,
so wie dieser,
angelegt durch einen Herrn,
wo die Blätter kreisen lernten,
in die Ruhe drang ein Lärm;
in die Zeit drang das Bedauern,
in die Ewigkeit der Tod,
in dem Kleid entstanden Risse,
und in der Herrlichkeit die Not.

Es wird ein Garten,
so wie dieser,
neu gemacht durch einen Herrn,
wo selbst Blätter Wurzeln schlagen,
und in der Ruhe stört kein Lärm;
in das Bedauern dringt die Zeit dann,
in den Tod die Ewigkeit,
in der Not entstehen Risse,
und in dem Kleide Herrlichkeit.

Samstag, 7. Februar 2015

Geschichte schreiben

Wir alle schreiben Geschichte; jeder von uns.
Wir leben und unser Lebensverlauf schlägt sich irgendwo nieder: in dieser Welt im allgemeinen, in unserem Beruf, in unseren Ausbildungen, in unseren Beziehungen und Begegnungen.

Wir schreiben Geschichte, aber niemals einfach nur für uns selbst, sondern wir schreiben immer in andere Geschichten hinein, und andere schreiben Geschichte in die unsrige hinein. Denn wir begegnen uns und jedes Wort, jede Bewegung von uns hinterlässt eine Szene in der Geschichte eines anderen.

Wir schreiben Geschichten; aber wir schließen sie niemals ab, sondern sie haben immer ein offenes Ende. Denn selbst, wenn wir nicht mehr an den Geschichten beteiligt sind, sind doch diejenigen daran beteiligt, in deren Geschichte wir hineingeschrieben haben.

Wir schreiben Geschichten; aber wir haben sie niemals begonnen, sondern wir wurden als ein Kapitel in die Geschichte anderer hineingeschrieben.

Wir werden geschrieben; jeder von uns.

Er schreibt Geschichten; jede von uns.


Was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist. Denn je mehr Worte, desto mehr Eitelkeit; was hat der Mensch davon? Denn wer weiß, was dem Menschen nützlich ist im Leben, in seinen kurzen, eitlen Tagen, die er verbringt wie einen Schatten? Oder wer will dem Menschen sagen, was nach ihm kommen wird unter der Sonne? (Prediger 6,10-12)