Samstag, 1. April 2017

When sorrows like sea billows roll, oder: Deine wogenden Wellen

Kennst du diese wunderbaren Zeilen? Sie sind von dem US-amerikanischen Anwalt Horatio Spafford, der sie nach schweren Schicksalsschlägen niederschrieb. Er verlor seine vier Töchter bei einem Schiffsunglück auf dem Atlantik, als seine Frau mit den Kindern nach Europa vorwegreisen wollte; das Schiff war am 22. November 1873 mit einem anderen kollidiert und gesunken. Seine Frau sandte ihm ein Telegramm, in dem stand: "Saved alone ..." - "Als Einzige gerettet ..."
 Spafford reiste kurz darauf seiner trauernden Frau nach und soll nahe dem Unglücksort, auf dem Meer, die Inspiration für diesen Text gehabt haben, der heute als Lied bekannt ist: It Is Well with My Soul - Es ist gut in meiner Seele.
 Dort schreibt er: Whatever my lot, Thou has taught me to say: It is well, it is well with my soul - Was auch immer mein Schicksal ist, Du hast mich gelehrt zu sagen: Es ist gut, es ist gut in meiner Seele.
 Diese Zeilen erinnern an Hiobs Worte, wenn er nach zahlreichen Schicksalsschlägen spricht: Der HERR hat`s gegeben, der HERR hat`s genommen; gelobt sei der Name des HERRN! (Hiob 1,21); oder wenn er seiner Frau sagt: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?, nachdem sie meinte, er solle Gott bei all diesem Unglück doch absagen und verrecken (Hiob 2,9.10).
 Was ist mit deinen wogenden Wellen? Was ist mit deinen Sorgen, mit den Schlägen, die das Leben dir beigebracht hat, an der Seele und am Leib? Dass es dir überhaupt widerfahren ist, hast du vielleicht schon als unergründbar erkannt, aber warum helfen Gott und Glaube nicht bei diesem Übel? In alten Zeiten hat der Ewige das Meer geteilt oder Stadtmauern durch den Klang von Posaunen stürzen lassen, und der Sohn Gottes hat Kranke geheilt und Tote erweckt, die Apostel gar nur durch ihren Schatten und durch getragene Kleidung (Apg 5,15; 19,11.12). Wo ist das hin?
 Manche werden dir erzählen, du musst nur richtig glauben, fest genug glauben, dann wirst du das Werk sehen, das Wunder erleben, und deine Gebrechen und Krankheiten werden geheilt. Vielleicht mag das nicht ganz falsch sein, vielleicht haben wir einiges verlernt oder werden abgelenkt und überlagert ... Und so kneifen sie die Augen zusammen und versuchen, durch Konzentration aus dem Himmel Kräfte herauszupressen und den Geist anzurufen, dass sie ihn bekämen. Sie bekommen einen Geist, das ist sicher. Lass dich nicht verwirren.
 Die auf sie hören und keine Wunder sehen, keine Heilung erfahren, die zweifeln an ihrem Glauben, an der Kraft ihres Glaubens, oder an Gottes Güte; und sie verzweifeln. Lass dich nicht verwirren.
 Sie predigen dir das Werk und du wartest auf das Werk, was nur allzu menschlich und verständlich ist, wenn du Leid und Schmerzen ertragen musst. Aber lass dich nicht betrügen. Sie haben keine Ahnung vom Geist. Sie wissen ja nicht mal, was sie ergriffen hat und meinen, es sei Gott. Und wenn du doch schon merkst, dass es dir schadet, dass es dich belastet und unfrei macht und deinen Glauben stört, dann gehe doch nicht hin, höre nicht hin; verlasse solche Leute und solche Gemeinschaften doch. Wie Sören Kierkegaard einmal schrieb: "denn nur die Wahrheit, die erbaut, ist Wahrheit für dich", womit er sein Werk Entweder - Oder abschloss. Also was suchst du dort?
 Denn Jesus sagte es zur Samariterin: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,24); denn solche Anbeter will der Vater haben. Und das sollten wir Christen sagen und verstehen können, wie Paulus schrieb: Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. (1. Kor 2,12.13)
 Das ist der Geist aus Gott. Und dieser Geist predigt nicht sich selber, sondern was er hört, und er verherrlicht den Sohn, sagt Jesus im Johannesevangelium, Kapitel 16. Und dieser Geist heilt uns, natürlich heilt er uns, denn der Sohn heilt uns. Das meint es auch, wenn es heißt "das Fleisch töten": nicht Askese und Selbstzwang, oder Rituale ohne Ende, wieder und wieder, je öfter desto frommer; sondern die Veränderung des Sinnes: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. (Ps 51,12.13)
 Denn wenn der Geist uns regiert und nicht das Fleisch, dann haben wir nicht nur einzelne Symptome therapiert oder etwas Ruhe bis zum nächsten Übel, wegen dem wir klagen können, sondern wir haben es überwunden. Überwinden ist etwas anderes als diese Irrlehrer und Flattergeister mit ihrem Gerede und ihren Effekten. Es ist wie die Auferstehung des geistlichen Menschen aus diesem irdischen Bauwerk, aus diesem Gebilde hier. Und ja, ganz ohne Schmerz geht es nicht. Denn wir müssen das, woran wir so sehr hängen, hingeben; das Gebilde und unsere Einbildung davon, und mit dem alten Menschen brechen.
 Und gerade geht es nur um uns selbst und fällt uns schon so schwer, und wir wollen unsere kleinen Beschwerden nicht mal ignorieren, sondern heben sie auf einen Sockel und wollen wundersame Dinge sehen. Was hätte ein Horatio Spafford sagen sollen, dort auf dem Meer, das seine kleinen Mädchen genommen hat? Vielleicht, sie mögen doch vor seinen Augen aus den Wellen steigen und in seine Arme kommen. Das wäre ein "Wunder" gewesen.
 Das hat Gott aber nicht getan. Sondern er hat diesem Mann, in dessen Herzen es aussah wie auf diesem Meer, Worte eingegeben und hat seinen Geist erhoben; und bis heute singen Menschen dieses Lied und lassen sich davon trösten. Wie Jesus sagte: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. (Joh 17,17)
 Diesen Jesus müssen wir ansehen. Denn der gleiche Jesus kam seinen Jüngern auch auf wogenden Wellen entgegen, als sie im Boot waren und es stürmte. Und Petrus bittet ihn und spricht: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen; und Jesus sagt ihm: Komm her! Und Petrus geht schon auf dem Wasser, geht schon über diese Wellen, und er schaut sie an, diese Gezeiten und den Sturm, bekommt Angst und versinkt, dass Jesus ihn ergreifen muss (Mt 14,22-33). Ihn, der uns liebt, müssen wir ansehen. Er ist das ganze Geheimnis Gottes und des Menschen.
 Und er wird dich freimachen und nicht betrügen, und du brauchst diese Wundertäter und dieses Gerede und Getue nicht, sondern kannst mit ihm reden, wie mit einem echten Freund oder einem großen Bruder, der deine Sorgen weiß und deinen Blick ablenkt auf den Horizont. Und dann einmal wird er mit dir an den Klippen stehen und all die tosenden Wellen und das Meer sind weit unter dir, und du siehst es unten stürmen und an den Felsen brechen und schäumen; und hast alldas überwunden und bist erhaben.
 Bis dahin sollen wir lernen, Glauben halten lernen (2. Tim 4,7). Was für eine Schule, was für eine Charakterbildung soll das sein, wenn wir schon bei gehässigen Worten oder bösem Lächeln einknicken, und haben noch gar nichts ertragen müssen. Wenn wir ihn bei jedem Widerfahren fragen "Warum ich?", "Warum dieses?", "Warum jenes?", obwohl wir in allen Kirchen und Gemeinschaften sagen und singen: Dein Wille, Herr, geschehe!, und: Du bist der Herr, der Gott, und weißt alle Dinge und wirst es wohl machen!, und dergleichen.
 Er aber sagt uns: Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erheben. Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mt 11,28-30)
 Tauschen wir es ein, tausche du es ein: tausche die Last dieser Welt, diesen Staub und die Erde, diese Selbstumkreisung und diese falschen Lehrer gegen den guten Hirten und den richtigen Lehrmeister, das ist Jesus und der Geist Gottes. Er ist ein guter Lehrer, er hat Verständnis und Geduld, so viel Geduld. Damit wir wachsen und einmal sagen können, wie in der deutschen Übertragung von Spaffords Zeilen: Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn.       

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