Mittwoch, 19. März 2014

Naleli

Für die Freude!
 
Nalelis Wesen war nicht beisammen, wie bei anderen Menschen in der Regel! Ihr Wesen lag verteilt auf lauter Augenblicken, in denen sie versuchte, wieder vor den Moment zu gelangen, in dem ihr Wesen zersprengt wurde; als sie noch ein ganzer Mensch war.
In solchen Augenblicken wollte sie sich wieder zum ganzen Menschen machen lassen, indem sie sich von ganzen Menschen lieben ließ. Was sie nicht begriff, war, dass es vielleicht ganze Menschen waren, von denen sie Liebe suchte, dass diese aber nicht ihren ganzen Menschen liebten, und dass sie auch nicht ganz liebten.
Wie sollte sie das auch verstehen, hatte jener Moment damals doch von ihr gefordert, sich zu zerteilen! Das Mädchen, das sie war, musste sie begraben, der Moment wollte sie nur als gehorsame Leiche. Was tut man dann? Man lernt, diesen Moment zu lieben, man lernt, den zu lieben, der diesen Moment erschaffen hat! Irgendwo zwischen dem Mädchen und der Leiche war die Seele, und diese suchte Naleli zu erhalten. Sie musste sich also immer wieder begraben lassen, um diesen Moment wieder zu finden, in dem sie scheinbar ganz geliebt wurde und ganz liebte, ein ganzer Mensch war.
Doch anstatt sich wiederzufinden, entfernte sie sich mit jedem Mal einen Schritt weiter von sich, überließ die Hülle dem Zorn vieler Menschen, auf dass sie das Mädchen wieder begruben, welches sie ohnehin nie wieder bekam, und die Leiche gehorsam hielten, solange sie nicht das griffen, was dazwischen war. Nur so konnte sie lieben und sich lieben lassen, denn etwas anderes kannte sie ja nicht.
Eigentlich ging es nur darum, diesen Namen loszuwerden, denn Naleli heißt "Ich weine".
Sie hieß aber Freude.  

Dienstag, 11. März 2014

Auf Pfaden

Mein Herr, mein Herr, wo führst du hin,
wenn ich auf harten Pfaden bin?


Du machst sie mir zum festen Grund,
und ein Schritt tut´s dem nächsten kund:
"Weiter, weiter, hoch hinauf!", ich sterb´ zwar jetzt,
doch leb´ ich auf,
wenn ich an der Spitze bin,
ergibt das Ganze einen Sinn.


Jetzt sind´s nur Stücke, die ich sehe,
jetzt sind´s nur Schritte, die ich gehe.
Doch werd ich einmal oben sein,
wenn ich jeden Schritt gegangen bin,
und sehe alle Stücke drin,
weiß ich, Herr, da führst du hin!