Sonntag, 24. Mai 2015

Pfingsten- die Sendung des Lehrers

Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden,
und sprach zu ihnen: So steht´s geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage;
und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem
und seid dafür Zeugen. 
Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet, mit Kraft aus der Höhe. (Lk 24,44-49)

Das Evangelium des Lukas und seine Apostelgeschichte waren ursprünglich ein Text, bzw. ein sehr langer Briefbericht, wurden aber im Laufe der Kanonisierung durch den Einschub des Johannesevangeliums voneinander getrennt. Was hier am Ende des Evangeliums von Jesus eröffnet wird, bildet den Beginn der Apostelgeschichte: das vom Vater Verheißene wird herabgesendet (Joel 3).
An Pfingsten (hebr. schawuot) kommt der Geist Gottes auf die Jünger herab, der ihnen zu dem aufgebrochenen Verständnis die Worte hinzugibt (Apg 2,4). Das jüdische Schawuot- als "Fest der Ernte" (Ex 23,16)- bildet hier für die christliche Auslegung den Typos: die begeisterten Jünger sammeln die Menschen zu sich. Sie sollen in Jerusalem beginnen, der Stadt des Todes, denn die Erkenntnis des Lebendigen ist anfangs nur dem Jüngerkreis vorbehalten. So soll die Botschaft also aus diesem "Grabe" aufstehen.

Der Apostelbericht, den Lukas wie das Evangelium an seinen Freund Theophilus schreibt, beginnt wiederholend mit einer ausführlichen Darstellung der Himmelfahrt Christi (Apg 1,1-11) und betrachtet anschließend die Verwaltung des Apostelkreises (Apg 1,15-26).
Jesus, so berichtet Lukas, blieb vierzig Tage lang bei den Aposteln, was meint: das Gericht ist überwunden, denn die 40 stellt Welt und Gericht dar. Er sagt ihnen, sie sollten Jerusalem nicht verlassen, damit die Botschaft des Täufers Johannes erfüllt werde: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. (Lk 3,16)
Sprach der Täufer diese Worte zu den Schriftgelehrten des Volkes als Mahnung, so spricht Jesus sie zu seinen Jüngern als Verheißung. Sie (die Jünger) stellen die 12 Stämme Israels dar, weswegen auch ein Ersatz für Judas gewählt wird (Apg 1,26); die Zwölf bedeutet die vollständige Verwaltung.
Das Interesse an Israel ist es auch, das die Jünger nach wie vor umtreibt, als sie ihn fragen, ob er das Reich wieder aufrichten werde, denn dies ist über den Messias prophezeit. Hier wechselt Jesus Irdisches und Himmlisches miteinander: Das irdische Schicksal des Reiches verweist er an Gott, die himmlische Kraft aber verspricht er auf der Erde (Apg 1,7.8).
Als Jesus in den Himmel enthoben wird, künden zwei Männer den Jüngern die Wiederkunft des Christus an; sie sind die Zeugen der zwei Reiche: ein Zeuge beim Himmel, ein Zeuge bei der Erde.

Am Pfingsttag (Apg 2,1-12) schließlich kam der Geist wie Feuer auf die Apostel, als sie zusammen waren, und gab ihnen die Worte für die Völker, sodass die Leute sie in ihren eigenen Dialekten und Muttersprachen verstehen konnten, was auch meint: sie sprachen zu ihren Herzen.
So ist der Geist Tröster und Beistand, wie Jesus verheißen hatte (Joh 14,26), der die Menschen erinnert, dass Gott bei ihnen ist und sie nicht verlassen hat, zudem aber auch Lehrer, der dem Menschen Erkenntnis über das Innere der Welt gibt, sodass er recht reden und handeln kann: Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.
Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.
Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.
Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. 
Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen"? (Jesaja 40,13) Wir aber haben Christi Sinn. (1. Kor 2,10-16)

In seiner Rede an die Volksleute bezeugt dann Petrus den gekreuzigten Jesus von Nazareth als den verheißenen Messias und den Überwinder des Todes, der in den Schriften angekündigt wurde (Apg 2,14-36), was den Grundstein für den Aufbau der ersten Gemeinde legt.

Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben.
Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen.
Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.
Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Ps 16,8-11)

Mittwoch, 20. Mai 2015

Solang du es bist

Ich seh dich deutlich vor mir
Als wärst du da, so ist es fast
Doch es wird ganz anders sein
Denn es ist nur mein Glaspalast

Du liegst in deiner Wiege
Unter dem Herzen
Ohne Geschichte, ohne Schmerzen
Das muss der Himmel sein
Kind der Liebe

Ich seh dich deutlich vor mir
Wie du bist, ganz lebensklein
Doch es wird ganz anders
Denn du wirst du selber sein

Du liegst in deinem Himmel
Mitten im Herzen
In der Geschichte, in den Schmerzen
Das wird die Erde sein
Kind der Liebe

Ich seh dich deutlich vor mir
Nun bist du da, noch kaum erfasst
Solang du es bist
Ist´s besser als mein Glaspalast

Ich seh dich deutlich vor mir
Wie du bist, so lebensklein
Solang du es bist
Könnte es nicht besser sein

Kind der Liebe