Montag, 23. September 2013

Lyrik: Wie ist es...?

Wie ist es denn nun, du Mensch: Du wirst in diese Welt geboren aus dem Nichts; du bist unfähig, dich selbst zu erhalten, lebst nur, weil sich Jemand deiner erbarmt. Selbst wenn du ausreichend Nahrung und Sicherheit hättest, dass dein Körper nicht zusammenbricht, würde dich nicht Jemand lieben, du wärest lange tot.

Wie ist es denn nun, du Mensch: Du wirst groß und lernst zu leben, in Armut oder in Reichtum, wer will das messen? Was in deiner Wiege gewonnen wurde, solltest du ehren, was in deiner Wiege verloren wurde, solltest du suchen, was in deiner Wiege gelassen wurde, solltest du prüfen. Doch wie oft trittst du das Gewonnene mit Füßen, beklagst das Verlorene, und schaust nicht an, was in dir ist?! Du hast für jedes Ding eine Ausrede und für jede Ausrede eine Entschuldigung; du hast an deinem Ich Interesse, aber von dir selbst willst du nichts wissen.
Du fragst nicht nach dem, der dich belebt hat aus dem Nichts und der jeden deiner Schritte kennt; du lebst das Leben, als sei es deins, solltest du doch wissen, dass jeder Atemzug geschenkt ist! Wenn dir aber der Atem schwer wird, hast du dich ja schließlich nicht selbst geboren und keiner hat dich gefragt, ob du leben willst. Und wenn deinen Freunden der Atem ausgeht, dann schreist du zum Himmel und heulst über den abgebrannten Docht.
Du hast immer mehr gelitten als jeder andere auf dieser Welt! Leiden nicht Millionen andere auf dieser Welt mehr als du? Du bist immer besser als jeder andere auf der Erde! Sind nicht Tausende deine Meister?
Du behältst dir jede Ehre, weist aber jede Schuld von dir.

Wie ist es denn nun, du Mensch: Du wirst alt und beugst dich immer mehr zur Erde; du warst immer so aufrichtig und musst schließlich doch in den Staub- welche Ironie! Doch gefasste Meinungen änderst du nun nicht mehr, denn "Du bist, wie Du bist".

 Wie ist es denn nun, du Mensch: Wusstest du es wirklich nicht? Hast du es nie gehört, hat es dir niemand gesagt?
Gott, der Herr, er hat dich belebt und deine Kerze angezündet; er hat dich begleitet und gerufen, wohin du auch gingst, damit du ihn erkennest, solange du noch brennst; er hat Winde und Stürme geleitet, damit deine Flamme nicht erlischt; er hat nur Böen zugelassen, damit du nach ihnen stärker brennst als zuvor.

Wie soll es sein, du Mensch: Wenn deine Lampe erlischt, soll Er sagen müssen: Hätte ich sie ausgehen lassen, als sie grad erst entzündet war!
Kehr doch um, du Mensch! Geh nicht als glimmender Docht in die Asche.

Sonntag, 22. September 2013

Lyrik: Erster Akt, erste Szene

 
 

Erster Akt, erste Szene

 
 
 
ENGELSCHÖRE:
Oh, welch Trübsal, welche Bitterkeit. Tod und Krankheit haben nun Einzug genommen in den Herzen der Gotteskinder. Die Ewigkeit, sie ist zum Sklaven der Zeit geworden, und die Zeit, dies große Übel, sie beginnt mit einem Bedauern, denn die Himmel und ihr Schöpfer müssen machtlos schauen, wie das geliebte Werk vom Tode zerfressen wird. Welch ein Leid, welch eine Trauer.

Wir Diener sahen die Tränen auf dem Antlitz des Allmächtigen, und hörten den Satan in seinen Kammern grausam lachen. Die Finsternis verkündet aus allen Winkeln die bittere Nachricht der Natur: Versagt, versagt! Der große Gott hat versagt!
 
 ELOHIM:
Was die himmlischen Heerscharen nicht wissen, treibt sie zum Wehklagen um meinetwillen. Sie ahnen nicht, was ich in meinem Herzen beschlossen habe. Ich werde meine Kinder sammeln in meine Hände, und die mich lieben werden bei mir sein und ich werde bei ihnen sein, ewiglich und immerdar. Alles Weinen ist vergeblich, denn das Licht verkündet aus allen Winkeln die frohe Nachricht der Natur: Besiegt, besiegt! Tod und Krankheit sind besiegt!