Dienstag, 2. Mai 2017

Das Lob der Frau, oder: wie man atmet

Meiner Liebsten.

Schatz, weißt Du, wie wir Menschen atmen?
 Es ist so, dass die Muskulatur des Rumpfes die Lungenflügel weitet und diese sich mit Luft füllen, sehr verkürzt erklärt, ähnlich einem Blasebalg. Wenn Du mal Ruhe hast und ganz ruhig atmest und darauf achtest, kannst Du es spüren, wie zuerst die Rippen sich heben, dann die Luft durch Nase oder Mund hineingesogen wird; und umgekehrt, wie beim Ausatmen zuerst die verbliebene Luft aus dem Atemkanal geht und der Rumpf sich dann langsam zusammenkauert und den Rest herausschiebt. Doch bleiben wir beim Einatmen; man nennt es "Inspiration" in der Physiologie, und vielleicht behälst Du dieses Bild im Hinterkopf.

König Salomo schrieb: Eshet chayil mi yimtzah; das heißt: Wer eine tüchtige Frau findet;
 und weiter: die ist vielfach edler als die schönsten Perlen. Das Herz des Mannes hängt an ihr und ihm mangelt es nicht an Nahrung. Sie tut ihm Liebes und kein Leid ihr Leben lang. (Spr 31,10-12)
 Manche zucken nun schon zusammen bei dem alten Rollenbild, das hier durchschimmert und um das man ja weiß; wie auch immer ... Lesen wir im Ersten Buch Mose die Anfänge, so finden wir zwei Verhältnisse des Menschen erzählt: ein natürliches Verhältnis, von Gott geschaffen, und ein gestörtes Verhältnis aus dem Sündenfall, die Trennung von Gott. Und Mose erzählt es so:
 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe schaffen, ein Gegenüber (Gen 2,18) Und er ging hin und machte die Tiere der Erde und des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, damit er sie anspräche und ihnen Namen gäbe und schaue, ob unter den Tieren ein passendes Gegenüber sei; doch da war keines. Und so, heißt es, ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Wir könnten hier auch "Flanke" sagen, aber mit Luthers Übersetzung ("Rippe") hatte es sich eben so durchgesetzt in fast allen Übersetzungen und Auslegungen, und ist manchen heute ein Symbol für ein krankes Frauenbild, das die verirrte Kirche ja lange vor Luther schon hatte und es gehegt und gepflegt hat, wie ein liebes Kind.
 Was die Erzählung sagt ist, dass Gott vom geschaffenen Menschen nimmt, aus der Flanke, und einen Stützpfeiler bildet; wie es dort heißt: Und Gott der HERR bildete eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Es war als Einheit gedacht: Gott schuf nicht einen Menschen und noch einen Menschen und brachte sie zusammen, sondern er schuf aus dem Menschen sein Gegenüber. So heißt es: Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.
 Die Frau vom Manne, alles Leben aber aus der Frau: Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. (Gen 3,20)
 Magst Du nun das Bild nehmen, dass ich Dir zeichnen wollte, dann ist es so: die Flanken, die Stützpfeiler (wie Du willst), tragen das Gebilde; der Thorax, die Muskulatur, hält den Menschen aufrecht, sonst würde er zusammenferchen und einknicken, könnte nicht einatmen, nicht ausatmen, hätte keine Inspiration, keine Ruhe, und würde verkümmern; da wäre keine Liebe, keine gute Hand, kein Trost, keine Sinnlichkeit, keine Leidenschaft, keine Erkenntnis, was es bedeutet, jemanden mehr zu lieben als sich selbst. Alldas wurde uns dort ins Herz gegeben, will die Bibel sagen, und nahezu alle Menschen sehnen sich danach, wie nach der Harmonie und dem Paradies (Gen 3,23.24)
 Doch es kam, was wir Sündenfall nennen. Die Schlange, der Teufel, verleitete die Menschen zum Ungehorsam gegen Gott, denn Gott hatte gesagt, sie sollten nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen; ich will nicht alles ausbreiten, Du kennst die Geschichte ja. Warum aber geht die Schlange zuerst zu der Frau? Weil der Mann auf seine Frau hört, ganz einfach, weil sein Herz an ihr hängt, wie geschrieben ist: Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. (Hld 6,6)
 So wurden sie aber einander entfremdet, wie sie Gott nun entfremdet waren, erkannten, dass sie nackt waren, bloßgestellt vor Gott und voreinander, schämten sich und verhüllten sich mit Feigenblättern, und alle Harmonie war gestört und ist gestört bis heute. Das sagt Gott mit dem Fluch: die Schlange wird in den Staub verstoßen, der Satan regiert die Welt und treibt sein Unwesen, die Frau muss unter Schmerzen Leben hervorbringen, der Mann wird als Herr über sie gestellt und muss harte Arbeit tun für das tägliche Leben, und letztlich muss man hier sterben (Gen 3,14-19); den Garten, den Ort bei Gott, mussten sie verlassen.
Dies nun ist das gestörte Verhältnis, wenn wir bei dem Mann und seiner Frau bleiben: er soll ihr Herr sein, sie verlangt nach ihm, und alles, was da kam, Erniedrigung, Gewalt, Unterdrückung, Schändung, Verstümmelung, und all diese Übel bis heute, sind ein Fluch und die Abkehr des Menschen von Gott.

Was machen wir nun, meine Liebste? Nun, wir nehmen es wahr und können sehen, so wie immer, dass uns alles in der Schrift erzählt und gesagt ist, und brauchen mit diesem Fluch nichts weiter zutun zu haben, bis auf Weniges, das wir noch aushalten müssen. Die Arbeit kennen wir, die Schmerzen kennst Du, unter denen Du so tapfer unseren lieben Sohn geboren hast; die Schlange kennen wir auch, in unseren Herzen und in dieser Welt; sterben müssen wir wohl und wieder zu Erde werden.
 Die Trennung von Gott aber, das ist nicht mehr unsere Sache, dank seiner Liebe und Gnade, seinem geliebten Sohn, das ist Jesus, unser Herr. Wenn es Dir aber doch mal so scheint, als wäre er weit entfernt, als höre er Dich nicht oder spreche nicht zu Dir: habe Geduld. Es ist so seine Art, dass er manchmal schweigt und sich zurückhält, um unseren Glauben und unser Vertrauen zu stärken. Du weißt aber, dass er immer da ist, immer, und er hört alles, ob Du`s aussprichst oder es Dir nur durchs Herz geht; denk daran.
 Und ich weiß, dass Du gut darin bist, Geduld zu üben und nicht aufzugeben, denn Du hast soviel Geduld mit mir gehabt und hast sie noch, obwohl es nicht leicht ist mit mir; und hast soviel Liebe und Sanftmut und Treue, und ich habe noch nicht begriffen, womit ich es verdient habe. Du bist eines seiner unergründlichen Geheimnisse, inspirierst mich und raubst mir den Atem, beruhigst mich und machst mich aufrichtig. Und ich mag mal die Nerven verlieren, aber niemals die Faszination.
 Was soll ich Dir sagen? Ich liebe Dich und will immer bei Dir sein. Und all meine Gedanken, meine Sorgen, meine Gebete sind zuerst bei Dir und unserem Lieben, bevor sie irgendwohin schweifen. Und was auch immer ist, was Du mir erzählen willst, was Du in meine Schulter weinen musst, ich will mich an mein Versprechen erinnern, wenn ich nachlässig werde; das ist: ich gehe einen Pfad mit Dir, auf leichten und harten Wegen, durch wunderschönen Sonnenschein und tiefe Finsternis, durch alles, was da kommt, und weiche nicht von Deiner Seite und helfe Dir mit allem, was ich bin und habe. Erinnere mich daran!

Das gestörte Verhältnis aber, die Herrschaft und die Unterordnung, wird nur durch Erkenntnis und Liebe bezwungen, wie alles nur durch Erkenntnis und Liebe bezwungen wird; wie es heißt: Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal 3,26-28)
 Lass uns dies lernen, immer mehr, denn darum geht es.

"Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein". Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann. (Eph 5,31-33)

Es ist mir eine Ehre. 

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