Vom "gerechten Krieg"
Die Frage, was in den Kämpfen und Kriegen dieser Welt letztlich im "Sinne Gottes" geschieht, weil er dadurch die Geschicke der Welt lenkt, bleibt uns verborgen. Wir Christen vertrauen darauf, dass er es sieht und, wie ein Lied sagt: "Er sitzt am Webstuhl meines Lebens"; und ich denke, er sitzt auch am Webstuhl des Weltgeschehens.
Wie wir als Christinnen und Christen in dieser Welt uns zu dieser Frage stellen sollen, ist uns, meiner Ansicht nach, an mehreren Stellen ans Herz gelegt.
Paulus schrieb: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. (Röm 13,1) Damit sagt er: Was und wer auch immer gerade regiert, Gott hält letztlich alles in seiner Hand. Wisse, es gibt keine Regierung über ihm und nichts hat Bestand, wenn er die Fäden am Webstuhl aus den Händen gleiten lässt.
Was uns als Christen in dieser Welt und unter diesen Obrigkeiten betrifft, ist uns gesagt: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Röm 12,21), und: Soviel an euch liegt, haltet Frieden mit jedermann (Röm 12,18), und (wenn es Anlass dazu gibt): Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! (Apg 5,29) Denn es mögen Obrigkeiten und auch Kriege letztlich in Gottes übergeordnetem Willen liegen (d.h. sie mögen "Ratschluss Gottes" sein, wie wir das nennen), was wir tun sollen, ist uns gesagt und wir müssen Ihm gehorchen, wenn da irgendeine Diskrepanz bestehen sollte.
Ich denke, wir sollen gar nicht ermitteln, was unter welchen Aspekten "gerechter Krieg" ist oder nicht. In alledem steckt so viel Politik, Ideologie, Eigeninteresse, Fehde und Wirtschaft, wer kann da letztlich von "Gerechtigkeit" sprechen? Welche Grausamkeiten werden in der menschlichen Seele entfesselt und offenbar, seien es Kriege aus "ethischer Motivation" oder die Gegenwehr der angegriffenen Partei mit dem Recht, sich zu verteidigen? Was für ein Elend ist das alles?! Da ist keiner gerecht. Da ist nichts zu segnen. Da ist nichts in langen politischen Debatten auf bequemen Sesseln zu legitimieren, sondern eigentlich müssten wir weinen und klagen: "Herr, unser Gott, hilf, dass Frieden werde unter uns, und verlass uns nicht, die wir dich immerzu verlassen und einander Unrecht tun!"
Was den "gerechten Krieg" anbelangt, so führt ihn letztlich nur Gott allein, sowohl im Lauf dieser Welt: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der HERR. (5Mo 32,35), wie auch am Ende der Zeiten: Denn es regt sich schon das Geheimnis der Bosheit, nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden, und dann wird der Böse offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus töten mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. (2Thess 2,7-8)
Es wird der Tag kommen, an dem Er Gerechtigkeit schaffen wird und den Bösen auspusten wird wie eine Kerze. Denn er sitzt nicht nur am Webstuhl des Weltgeschehens und hält letztendlich alle Fäden in seiner Hand, sondern er wird auch das Werk vollenden, an dem er webt, und wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. (Offb 21,4)
Wir Christinnen und Christen sollen eine Welt in dieser Welt sein, die ganz anders ist, nicht weltlich sondern geistlich. Das ist der Kampf, den wir zu führen haben, der einzige, den wir "gerecht" nennen können.
"Aber das sind die Christen und die Kirchen ja nicht!", mag man da einwenden. - Wir sollen eine Welt in dieser Welt sein, die ganz anders ist, ist die Antwort darauf.
"Aber so funktioniert das Leben nicht! Das ist naiv!", mag man da einwenden. - Wir sollen eine Welt in dieser Welt sein, die ganz anders ist, ist die Antwort darauf.
"Aber der Mensch ist nicht so!", mag man da feststellen. - Richtig. Wir sollen eine Welt in dieser Welt sein, die ganz anders ist, ist die Antwort darauf.
Wie unser Herr Jesus es sagte und es uns vorgelebt hat: Selig sind die Friedensstifter, denn sie sollen Söhne und Töchter Gottes heißen (Mt 5,9), und: Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. (Mt 5,48)
Dass wir Menschen so normalerweise nicht "funktionieren" und auch die Christenheit und die Kirchen dafür oft kein gutes Vorbild lieferten, ist richtig, ändert aber an den Worten Jesu und der Apostel nichts. Ihnen sollen wir ja folgen, und wir werden diesen Frieden und diesen Segen erfahren, wenn wir es tun.
So lege alles in Gottes Hände: die Geschicke dieser Welt mit ihrem Unrecht und ihrer Gerechtigkeit, weine angesichts des Leids der Menschen und verliere niemals dieses Mitgefühl, freue dich angesichts der Gerechtigkeit, des Glücks und der Schönheit, und verliere niemals diese Begeisterung; halte, soviel an dir liegt, Frieden mit jedermann, und vor allem bete und habe Vertrauen, dass er, unser Gott, eines Tages alles vollenden wird, wie er es versprochen hat. Wisse, es gibt keine Regierung über Ihm! Er hat längst gewonnen.
Amen.



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