Ihm ist nichts hinzuzufügen

Denn wenn ich das, was ich niedergerissen habe, wieder aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter des Gesetzes hin. Nun bin ich aber durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, um für Gott zu leben.

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. 

Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn durch das Gesetz Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben. (Gal 2,18-21)

Ihm, Jesus, ist nichts hinzuzufügen - so könnte man die Worte des Paulus an die Gemeinden in Galatien zusammenfassen. Er schreibt dort Geschwistern, die von Irrlehrern aus Jerusalem besucht wurden, welche ihnen beigebracht haben, sie müssten Juden werden, sich beschneiden lassen und das mosaische Gesetz halten, um Anhänger des Messias Jesus sein zu können. Man könne nicht einfach so zu ihm gehören, sondern müsse erst zum Judentum übertreten, man müsse "Judenchrist" werden, um wirklich zu Gottes auserwähltem Volk zählen zu können.

Mich wundert es, schreibt er direkt nach seinen Grußworten in Kapitel 1, dass ihr euch so schnell habt abwenden lassen von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. (Gal 1,6-7)

Ihm, Jesus, ist nichts hinzuzufügen. Das galt damals und das gilt heute, wo und wie auch immer man ihm etwas hinzuzufügen versucht. Wenn wir uns selbst gerecht und gut machen wollen, ob religiös, humanistisch oder politisch, verlieren wir Christus und er ist vergeblich für uns gestorben. Alle Gerechtigkeit und Güte, die wir unser eigen nennen können, ist untrennbar mit ihm verbunden, der sein Leben für uns gab und uns in seiner Auferstehung neues Leben geschenkt hat, wie wir es gerade wieder zu Ostern gefeiert haben; alle Gerechtigkeit und Güte, die wir haben, ist uns gegeben durch ihn, und ihm etwas hinzuzufügen würde bedeuten, wieder aufzubauen, was niedergerissen wurde, als Jesus in unser Leben trat und uns zu sich gerufen hat. Und wenn wir ehrlich und offen mit uns sind, mit uns selbst und mit uns als Kirche, dann sehen wir, wie oft wir damit beschäftigt sind, ihm etwas hinzuzufügen, etwas zu ergänzen, weil unser Vertrauen oft nicht hinreicht, uns ganz ihm zu geben und ihn in uns leben und wirken zu lassen, wie Paulus schreibt: Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.

Es steckt oft keine böse Absicht dahinter, es sind meist sehr edle Anliegen, aber dennoch ist es Irrtum. Die "Irrlehrer", die die Christen in Galatien überzeugt hatten und gegen die Paulus schreibt, mögen auch keine bösen Absichten gehabt haben und mögen überzeugt gewesen sein von ihren hehren Zielen (die Menschen sind meistens überzeugt von ihren guten Absichten), doch das ändert nichts an dem Irrweg, das Evangelium wird verdreht, wo etwas anderes als allein er unsere gute Nachricht ist. 

Ihm, Jesus, ist nichts hinzuzufügen - weder Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Nation, wie bei den Judaisierern damals oder im sogenannten "christlichen Nationalismus" heute, noch religiöse Leistungen, durch die wir uns selbst gerecht machen wollen, noch irgendwelche vermeintlich humanistischen oder politischen Ideologien, denen sich heute wieder so viele anschließen und die immerzu nur um sich selbst kreisen, aber nicht von ihm reden, noch irgendwelche Konzepte und Methoden, um "die Kirche wieder attraktiver zu machen", die überall florieren; denn das Attraktivste, das die Kirche haben kann, ist er - wir haben gar keine andere Botschaft und nichts, was sie noch ergänzen könnte. 

Was ich jetzt lebe im Fleisch (d.h.: hier in meinem Erdendasein), das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.

Diese Liebe, die wir als Christinnen und Christen erkannt haben, erfahren haben und bekennen, ist - mag es auch noch so eintönig klingen, mag es auch noch so oft wiederholt werden, mag man auch noch so sehr versucht sein, dem etwas hinzuzufügen - diese Liebe ist unsere einzige Liebe, und ihm, der uns so geliebt hat, ist nichts hinzuzufügen. Denn wenn ihm etwas hinzuzufügen wäre, wäre Gottes Gnade verworfen und Jesus wäre vergeblich gestorben.

Wir aber sollen verkünden in Wort und Tat, an Ostern und an jedem Tag unseres Lebens (denn all unsre Tage sind Ostertage), dass er nicht vergeblich gestorben ist, sondern dass er uns gerettet hat aus Gnade und Liebe, und dass ihm alle Ehre gebührt im Himmel und auf Erden. 

Amen.  




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